Wiedergutmachung in Berlin mit Salas Premiere?

27. Januar 2012

Der Rasen sah echt übel aus. Die kurzen Sprints hatten mit nahezu jedem Fußaufkommen ein kleines Loch ins matte, verblasste „Grün“ gerissen, und diese schwarzen Löcher verteilten sich mit zunehmender Zeit über das gesamte Spielfeld in der Imtech-Arena. Ergebnis: Der Rasenchef sollte sich übers Wochenende nichts vornehmen. Denn so kann der HSV nicht in acht Tagen gegen den FC Bayern antreten. Zumindest nicht, ohne den Ärger der Gäste heraufbeschwören zu wollen. Deshalb beschloss die Klubführung jetzt auch, den Rasen unmittelbar vor dem Spiel gegen den deutschen Rekordmeister auszutauschen.

Wobei: warum eigentlich?

Sollen die Bayern doch meckern. Zumal es sicher auch schon schlechetere Unterböden gegeben hat und der HSV so vielleicht einen kleinen Vorteil hätte. „Ich hatte erst gehört, dass der Rasen nach dem Spiel ausgetauscht wird. Das war okay. Und ich frage mich, warum wir ihn jetzt doch unmittelbar vor dem Spiel austauschen“, sagt Dennis Aogo und fügt hinzu: „Ich liebe frischen Rasen. Aber nicht direkt vor dem Bayern-Spiel.“ Womit der Linksverteidiger darauf anspricht, dass dem technisch orientierten Passspiel der Münchener ein tadelloser Unterboden zugute käme. „Es wäre für sie sicher kein Nachteil“, umschreibt Aogo.

Allerdings, und darauf lenkte Aogo sofort das Thema, zuvor geht es nach Berlin. Am morgigen Sonnabend soll es Wiedergutmachung für den verpatzten Rückrundenauftakt geben. „Wir werden anders auftreten als gegen Dortmund“, spricht Aogo eine Selbstverständlichkeit aus, und wird genauer: „Wir werden nicht noch mal so ängstlich auftreten wie zu Beginn gegen Dortmund. Gegen den BVB – und ich weiß wie doof das nach einem 1:5 klingt – hätten wir wesentlich mehr herausholen können, wenn wir nicht im Kollektiv so ängstlich gespielt hätten. Die Niederlage lag ja nicht allein an den super Dortmundern.“ Sondern? „An uns. Aber wir haben das Spiel intern analysiert. Wir haben zwei, drei Tage daran zu knabbern gehabt – aber von da an nur noch auf Hertha geschaut. Und das behalte ich auch so bei.“

Volle Kraft voraus. Und das mit neuem Personal. Zumindest mit drei Neuen. David Jarolim rückt für Gojko Kacar ins Team. Was besonders bitter für den Serben sein dürfte, immerhin geht es gegen seinen letzten Klub. „Gojko ist schlecht drauf nach solchen Spielen wie gegen Dortmund“, sagt Milan Kacar, der Berater, Onkel und beste Freund von Gojko, „aber nur so lange, bis es weitergeht. Er denkt viel über sich und seine Fehler nach, um sie zu verbessern. Gegen Berlin ist er mit Sicherheit noch heißer als sonst.“ Allerdings wird er sich gedulden müssen, zunächst wohl nur auf der Bank Platz nehmen.

Ein herber Rückschlag für den introvertierten Serben, dem man immer wieder nachsagt, er sei nie 100 Prozent fit. Auch, weil er verletzungsanfällig sei und immer wieder Vorbereitungen verpassen würde. Milan Kacar setzt sich für seinen Neffen ein: „Er ist grundsätzlich gut drauf. Er hat sich zwar über die fehlende Vorbereitung geärgert. Und das mit der Vorbereitung ist schon eine Seuche. Entweder er verletzt sich im jeweils letzten Spiel vor den Sommer- und Winterpausen oder er hat Turniere wie damals die Olympischen Spiele, die U-21-EM oder die WM. Hier in Hamburg aber geht’s ihm gut. Er fühlt sich fit. Der Vorwurf ist Quatsch, er ist nicht unaustrainiert. Das ist ein Märchen, das sich nur erzählt wird.“

Dennoch reicht es nicht für Berlin. Dort wird er von David Jarolim ersetzt, während Mladen Petric im Angriff wieder neben (oder leicht versetzt hinter) Paolo Guerrero auflaufen wird. Und während es in der Defensive keine Überraschung geben dürfte, nachdem Jeffrey Bruma wieder voll mittrainieren konnte, galt es als ziemlich sicher, dass Ivo Ilicevic nach seinen ausgestandenen Wadenproblemen („Ich hatte eine hartnäckige Verhärtung“) die Position auf der rechten Außenbahn von Zhi Gin Lam übernehmen würde. „Ich bin bereit“, sagte uns der Kroate heute noch vor dem Abschlusstraining, „ich fühle mich gut. Ich habe dann zwar erst drei Einheiten wieder voll mitmachen können, aber ich bin bereit.“ Auch als Joker? „Ich weiß nicht, was der Trainer plant, ob ich von beginn an spiele oder reinkomme. Aber ich fühle mich gut und will helfen.“

Das könnte der Kroate ganz sicher, sollte er seine heutige Trainingsleistung wiederholen. Beim Abschlussspiel wirbelte, kämpfte und grätschte (!) der quirlige Offensivmann und war der mit Absatnd auffälligste Akteur. „Wir müssen in Berlin fighten, es wird ein echtes Kampfspiel“, prophezeit Ilicevic und scheint gewappnet. Auch wenn er selbst lieber über technische Finessen zum Erfolg kommt, kämpfen kann er offensichtlich auch.

Allerdings bin ich mir ziemlich sicher, dass der erhöhte Einsatzwille Ilicevics heute einen anderen Grund hatte. Denn anstatt wie von allen erwartet in der A-Elf zu spielen, musste er in der B-Elf ran. Denn Trainer Thorsten Fink hatte für die rechte Mittelfeldposition Überraschendes parat. Genauer gesagt, einen Italiener, der vor der Wintervorbereitung als Verleihspieler quasi feststand: Jacopo Sala. Mit Mütze und dick eingepackt versuchte der schmächtige Rechtsfuß, die rechte Seite der A-Elf mit Leben zu füllen. Es gelang ihm auch – allerdings lange nicht so eindrucksvoll wie seinem größten Konkurrenten im Kampf um die Startelf bei Hertha. Und sollte Fink, da lege ich mich fest, wirklich nach den letzten Eindrücken gehen, dürfte es keine zwei Meinungen geben: dann muss Ilicevic beginnen.

Aber okay, wer weiß, wie Sala auftreten würde? Im Trainingslager in Marbella wusste Sala so zu gefallen, dass sich Fink und Sportchef Frank Arnesen schnell einig waren, den Italiener nicht zu verleihen. „Er hat mich überzeugt“, sagte Fink. Allerdings weiß der Coach auch noch nicht, was er von seinem Sommerzugang in der Bundesliga erwarten kann. Das wiederum ist einer der großen Vorteile, die Sala gegenüber seinen Konkurrenten hat, die bislang mehr oder weniger gut aufgetreten sind: Er hat noch nicht enttäuscht.

In diesem Sinne, Trainingsleistungen als Maßstab zu nehmen, verbieten sich beim HSV 2011/2012 eigentlich. Dennoch habe ich die Hoffnung, dass die Mannschaft die Aggressivität aus der heutigen Abschlusseinheit (selbst Rincon musste nach mehreren harten Zweikämpfen mit Schmerzen kurz pausieren) bis ins Berliner Olympiastadion rüberrettet. Sollte das gelingen, dürften wir morgen endlich wieder Spaß beim Zugucken haben.

Auf die drei Punkte in Berlin, ob mit Sala oder Ilicevic – egal wie! Und wie sagte Aogo heute? „Das Dortmund-Spiel haben wir analysiert – und die Art und Weise war nicht okay. Das wissen wir. Deshalb wird in Berlin alles anders.“

Ich bitte drum. Und ich glaube: Wir alle bitten darum.

Bis morgen,
Scholle (18.15 Uhr)

So könnte der HSV spielen: Drobny – Diekmeier, Westermann, Bruma, Aogo – Sala (Ilicevic), Jarolim, Rincon, Jansen – Petric, Guerrero.
P.S.: Slobodan Rajkovic ist der letzte Zugang, der sein Einstandslied noch nicht gesungen hat. „Er wird seine Strafe bekommen“, sagte Aogo, der auch bei Ilicevic die Parkkralle besorgt hatte. Aogo: „Dass es noch nicht so weit war lag allein daran, dass es nach dem Dortmund-Spiel wichtigere Dinge gab.“

Nicht rumheulen, einfach gewinnen. Egal wie…

26. Januar 2012

Wie fast immer in schwierigen Phasen, ist der Fußballprofi an sich gut beraten, sich an seine Stärken zu erinnern. „Deshalb verplempere ich auch keine Zeit damit, lange zurückzublicken“, sagt Mladen Petric, angesprochen auf das 1:5-Debakel vom vergangenen Wochenende gegen Dortmund. Vielmehr will der Kroate nur noch nach vorn blicken, auf das Spiel bei Hertha BSC am Sonnabend. Abstiegskampf? Auch bei dem Wort mag Petric nicht direkt antworten. Im Gegenteil, er lehnt das Wort ab. Noch. „Ich mag noch nicht über Abstiegskamp sprechen“, so der Torjäger, „aber wir können uns darauf einigen, dass es in Berlin ein Kellerduell ist“ Auch das Folgeprogramm mit Bayern, Köln und Werder bereitet Petric keine größeren Sorgen. „Uns ist nicht Angst und Bange. In Berlin haben wir eine gute Chance. Und danach gegen Bayern? Das wird sehr schwer, klar. Aber ich bin mir sicher, dass wir uns nicht zweimal in so kurzer Zeit einen solchen Ausrutscher erlauben.“


Kurioserweise soll dabei sogar der 12:0-Sieg gegen den Oberligisten Rugenbergen helfen. „Wir waren alle froh, dass wir im Stadion und nicht auswärts gespielt haben. Und es hat uns gut getan, wir konnten einige Dinge ausprobieren. Das Spiel war zumindest hilfreich.“ Hilfreich, um die Auftaktniederlage vergessen zu machen. Zumal das spätestens jetzt auch Zeit wird. Ich habe die Jungs immer wieder beobachtet. Sie waren zwei, drei Tage niedergeschlagen“, sagt Trainer Thorsten Fink, „aber die Mannschaft hat das gut verdaut. Ich habe nicht das Gefühl, dass die Mannschaft ihr Selbstvertrauen verloren hat.“ Trotz der für Fink primären Erkenntnis aus dem BVB-Spiel, „dass wir die Messlatte nicht zu hoch hängen dürfen. Es ist sicher alles andere als optimal, gleich zum Auftakt so zu verlieren, aber ich bin jetzt auch schon ein paar Jahre dabei, war vorher auch selbst lange Spieler. Und hier ist keiner verunsichert. Alle waren niedergeschlagen – und haben jetzt den nötigen Willen für Berlin.“

Zudem haben sie die körperlichen Voraussetzungen. Diekmeier hat seine Grippe auskuriert, Petric („Es war nur eine Prellung auf einer Stelle, wo ich vorher einen Faserriss hatte, deshalb die zwei tage Pause“) hat seine Wadenprobleme ebenso ausgestanden wie sein kroatischer Landsmann Ivo Ilicevic, der heute im Mannschaftstraining in der Imtech-Arena einen sehr guten Eindruck hinterließ. Dennoch lässt Fink offen, ober in Berlin auf beide „kroatischen Waden“ setzen will: „Er hat dann auch nur heute und morgen trainiert, vielleicht ist das zu wenig.“ Dennoch deutet vieles darauf hin, dass Fink seinen letzten Zugang bei der Hertha von Beginn an bringt, dafür Zhi Gin Lam zunächst auf die Bank setzt.

Die kroatische Hoffnung – Petric und Ilicevic wieder dabei. Und es geht nach Berlin. An den Ort, an dem der HSV das letzte Mal eine Spitzenposition inne hatte. Jetzt ist es allerdings ein Duell vom 14. (HSV) beim 13. der Bundesligatabelle. Und beide Teams stehen unter Druck. So sieht es zumindest Fink: „Der Samstag wird zeigen, welches Team damit besser umgehen kann.“ Immerhin müsse die Hertha anschließend auswärts antreten, während der HSV zu Hause das Schwergewicht FC Bayern empfängt. Fink weiter: „Beide spielen gegen den Abstieg. Das wird für beide sehr schwer, das baut Druck auf.“ Dass er dennoch optimistisch ist, liegt daran, dass seine Mannschaft die Niederlage gut verdaut habe. Und, das fügt der HSV-Trainer hinzu: „Hertha ist eine Mannschaft, mit der wir mithalten können“.

So ist es. So sieht es derzeit aus. Kein „wir müssen gewinnen“ und keine Träumerei von internationalen Startplätzen – die Ansprüche reduzieren sich, Klassenerhalt ist das primäre Ziel. Es gilt, erst einmal die Basis herzustellen. Eben so, wie es der Fußballer auf dem Platz auch machen sollte. Sicherheit wiedergewinnen über Kampf und Leidenschaft. „Wenn das stimmt, sind wir einen großen Schritt weiter“, sagt Tomas Rincon, dessen Partner im zentralen Mittelfeld höchstwahrscheinlich David Jarolim (Fink: „Jaro hat gute Chancen zu spielen“) sein wird.

Fraglich ist der Einsatz von Jeffrey Bruma. Mit klarer Tendenz zum Positiven: „Jeff hatte leichte Adduktorenprobleme“, so Fink, „bei ihm werden wir am Freitag genau hinschauen.“ Allerdings schien es, als sei Brumas heutige Pause eher eine Vorsichtsmaßnahme denn Notwendigkeit. Ebenso wie bei Slobodan Rajkovic, der abseits des Mannschaftstrainings mit Markus Günther Balltraining absolvierte, ohne dabei irgendwelche Bewegungen vermeiden zu müssen. Zudem legte sich Fink heute überraschend genau fest, wann Marcus Berg nach seinem Schlüsselbeinbruch wieder mit der Mannschaft trainieren werde: „Am 4. Februar soll er wieder einsteigen.“

Ein wenig genervt wirkte Fink, als er auf Rene Adler angesprochen wurde, der angeblich schon (das entspricht nicht unseren Informationen) unterschrieben haben soll. Er dementierte einen solchen Vorgang sogar indirekt, indem er sagte: „Ich beschäftige mich mit der Torwartfrage nicht, unser ist gut. Wir sind zufrieden und haben da im Moment keinen Handlungsbedarf.“ Wobei der Zusatz „im Moment“ natürlich das offen lässt, was in Hamburg seit Monaten bekannt ist: Adler soll kommen. Denn auch wenn es aktuell nichts wirklich Neues gibt, ist bekannt, dass sich der HSV um die Dienste des Bayer-Keepers bemüht hat. Bedenklich stimmt mich dabei, dass der sich bereits seit Juli 2011 im Reha-Training befindet und bemüht ist, Patellasehnenprobleme auszukurieren. Und das ist nur eine von erstaunlich vielen Verletzungspausen des gerade erst 27-Jährigen.

Schon deshalb – trotz des überdurchschnittlichen und für mich völlig unumstrittenen Talentes von Adler – halte ich eine solche Diskussion für momentan absolut unnötig. Drobny hält gut, er ist momentan trotz der schwächeren Abschläge gegen Dortmund noch immer einer der konstanten Spieler. Warum also das Risiko eingehen, ihn zu verunsichern? „Es ist immer ein ganz schmaler Grat, wenn man während der Saison neue Spieler verpflichten will“, hatte uns (meinem geschätzten Kollegen Kai Schiller und mir) Sportchef Frank Arnesen im Trainingslager erzählt, „auf der einen Seite will man seine vorhandenen Spieler stützen, weil man sie ja braucht. Auf der anderen Seite muss man natürlich zusehen, sich auf etwaigen Schwachstellen oder eben bei besonderen Angeboten auch mit Veränderungen zu beschäftigen“.

Vorausgegangen war die Frage, ob Arnesen, der sich selbst Ehrlichkeit als eine seiner wichtigsten Tugenden anheftet, doch auch mal eine Lüge aus taktischen Gründen für angebracht hielte. Was zum Beispiel, und das haben wir damals wirklich genau so gefragt, wenn Drobny als momentaner Garant für Sicherheit im Tor bei Arnesen nachfragt, was an dem Gerücht um Adler dran sei? Würde Arnesen lügen, um Drobny nicht zu verunsichern? Oder würde er die Wahrheit sagen? „Ich müsste das machen, was für den Verein am besten ist. Und das ist der Erfolg im nächsten Spiel.“ Allerdings würde er auch nicht ausschließen, mit Spielern sehr ehrlich zu reden und ihnen zu sagen, dass man sich auf deren Position umschaue. Und das „gerade dann, wenn es um die Zukunft des jeweiligen Spielers geht. Auch der Spieler braucht die faire Chance, sich zu orientieren. Wie am Beispiel David Jarolim zu erkennen“, so Arnesen, „Jaro ist ein Musterprofi und eine ganz wichtige Person für den Verein. Trotzdem haben der Trainer und ich schonungslos offen und ehrlich mit ihm gesprochen. Weil der Respekt es verlangt.“

Allerdings auch, weil ein sportlicher Ausfall Jarolims personell leichter aufzufangen wäre als ein Ausfall von Drobny.

Aber okay, warum heulen? Dafür ist es letztlich auch Profifußball, indem die meisten Bundesligaspieler auch entsprechend gut honoriert werden. Und wenn Drobny eh kein Problem damit hat – so what? Gerade der schweigende Tscheche dürfte sich vor der Rückkehr zu seinem Ex-Klub andere Gedanken machen…

Deshalb machen wir es ihm am besten gleich, lasst uns nur darüber nachdenken, wie wir in Berlin gewinnen. Das müssen wir, egal wie. Und egal mit wem. Denn eines dürfte Drobny ebenso wie einem Jarolim, einem Mladen Petric oder einem Heung Min Son klar sein: Sie alle sind ersetzbar – der Verein aber bleibt. Die Spieler sind bei Barcelona wie bei jedem anderen Fußballklub auf dieser Welt, der seine Spieler fürs Fußballspielen entlohnt, dem Verein untergeordnet. Und das heißt für unsere HSV-Profis, dass sie jetzt mehr denn je in der Pflicht sind, sich sportlich topmotiviert zu präsentieren. Ob über sie diskutiert wird oder nicht.

Bis morgen,

Scholle

12:0 gegen Rugenbergen – und Jarolim hofft wieder **MIT Adler***

25. Januar 2012

++++Weil es hier gewünscht wird, zwei, drei Worte zu Adler. Es ist definitiv noch nichts fix, der HSV hat lediglich Interesse an dem Bayer-Keeper. Sein Berater will sich eigentlich gar nicht zitieren lassen, dementiert aber über Agentur eine Einigung mit dem HSV deutlich. Ebenso wie alle HSV-Verantwortlichen, mit denen ich heute gesprochen habe. Insofern ist Adler ein Thema – allerdings heute nur deshalb neu, weil die SportBild ein paar nicht wirklich neue Infos neu aufgesetzt hat.++++++

Er war schon fast weg. Die Freigabe vom HSV in der Tasche sortierte der Aussortierte in der Winterpause seine Angebote – und ist plötzlich wieder mittendrin. „Es gibt Anzeichen dafür, dass ich spiele“, freut sich David Jarolim, der am Sonnabend bei Hertha BSC zum ersten Mal seit September 2011 wieder in der Startelf stehen soll. „Damit hatte ich vorher nicht gerechnet“, sagt Jarolim, „aber es ist ein schönes Gefühl, mal wieder gebraucht zu werden. Aber schon allein die Hoffnung, dass man mal wieder wichtig ist, ist für mich ein riesiger Schritt.“

Als dienstältester HSV-Profi (seit 2003 im Team) soll der Tscheche dem beim 1:5 gegen Dortmund zuletzt stark verunsichert wirkenden Mittelfeld neuen Halt geben. Neben Tomas Rincon im zentralen Mittelfeld. Eine Konstellation, die es vor Jahren unter Bruno Labbadia schon gab – und die damals funktionierte. „Dass wir es können, haben wir gezeigt. Aber der Trainer entscheidet“, sagt Jarolim, wohlwissend, dass es seine letzten Monate für den HSV sind. Am Saisonende läuft sein Vertrag aus, der HSV will nicht verlängern. „Es ging vom Verein aus. Der neue Trainer hat mir gesagt, dass er von Beginn an auf die jungen Leute setzen will. Das war für mich schwer, vor allem natürlich, weil ich hier eigentlich einen ganz guten Stand hatte. Ich hatte mir das alles anders vorgestellt – aber es ist wie es ist. Und ich komme damit klar. Ich habe versucht, mir die Enttäuschung nicht anmerken zu lassen und weiter hart gearbeitet. Und ich werde da sein, wenn ich gebraucht werde, ich will diesem Verein noch helfen, nach dem 1:5 wieder Selbstvertrauen zu tanken. Denn so darf es natürlich nicht weitergehen.“

Wie es für ihn persönlich weitergeht, weiß der 32-Jährige dennoch schon ziemlich genau. „Ich will noch zwei Jahre auf hohem Niveau Gas geben.“ Anschließend steigt er ins Trainergeschäft ein. Und das voraussichtlich beim HSV, mit dem es dafür bereits eine Vorvereinbarung gibt. „Ich würde gern später Trainer machen“, sagt Jaro, „aber dafür muss ich erst ausprobieren, ob es was für mich ist, ob ich es kann. Denn eine lange Karriere garantiert nicht auch gleich, dass man ein guter Trainer wird. Deshalb werde ich mich selbst testen.“ Das sei am besten, indem er Jugendteams zu Beginn trainiere. „So ist es geplant.“

Einen Plan hat Jaro auch für das Spiel bei Hertha. Oder besser: er hat einen Traum. Den vom Tor. Von einem Tor, wie man es jedem Fußballer ab der B-Jugend zutraut, nur ihm nicht. „Das sagt man so“, lacht Jaro, auf seine bekannte Fernschussschwäche (das ist nicht böse gemeint, ich schreib’s nur, weil Jaro da durchaus selbst über sich lachen kann) angesprochen, „aber aus der Entfernung treffen aber in der Bundesliga auch nicht alle.“ Zur Erinnerung: Nach einer unglücklichen Rettungsaktion des Hertha-Ersatz-Ersatzkeepers Sascha Burchert bekam Jaro den Ball rund 35 Meter vor dem Gastgebertor vor die Füße, zog ab und traf. „Ich vergesse meine Tore eh selten, weil es ja nicht sooo viele sind. Aber das Tor merkt man sich besonders. Zumal Zé Roberto anschließend aus 44 Metern traf.

Ob sich Jaro noch an den damaligen Tabellenplatz erinnert? „Nein“, sagt Jaro, „nur, dass wir 3:1 gewonnen haben, Mladen sich in dem Spiel noch schwerer verletzt hat und wir anschließend ne ziemliche Durststrecke hatten.“ Fürwahr. Sieben Spiele in Folge konnte der HSV nicht gewinnen und fiel nach einem der besten Saisonstarts vom ersten Tabellenplatz (nach Hertha) auf den fünften Rang zurück. Ein Trend, der sich seither leider fortsetzte und mit der Verpflichtung Thorsten Finks gestoppt werden sollte. Das mit durchschnittlichem Erfolg. Auch wenn Kämpfer Tomas Rincon das etwas anders sieht. „Ich habe mir die ersten 30 Minuten des Dortmund-Spiels noch mal angeguckt und muss sagen, dass Dortmund gar nicht so überragend war“, überraschte mich der stets selbstkritische, ehrgeizige, „hätten wir das 1:1 gemacht, wäre es vielleicht alles anders gekommen.“

Mmmh…..vielleicht also…., okay. Einem ehrlichen Arbeiter wie Rincon verzeiht man auch mal ein wenige fehlende Selbstkritik. Zumal dann, wenn er es gut meint. Oder einfach nur sagt, weil er angefressen ist. Auf jeden Fall aber ist bei Rincon zu spüren, dass er mächtig viel Wut im Bauch hat, die sich gegen Hertha entladen dürfte. Wie viele Gelbe er schon hat? „Drei“, kommt es von Rincon wie aus der Pistole geschossen, „und die letzte Karte ist ewig her.“ Wird also Zeit? „Wartet es ab!“

Aua.

Das dachte ich auch, als Heung Min Son gegen den SV Rugenbergen in der 11. Minute völlig freistehend vor Dennis Schultz kläglich vergab. „Sonni trifft im Moment einfach nicht das Tor“, hatte uns Trainer Thorsten Fink gestern erklärt, als wir fragten, weshalb zunächst Tesche und nicht der Südkoreaner gegen Dortmund auflief. Worte, die ebenso ehrlich waren wie sie Druck erzeugen können auf einen Spieler, der genau damit seine Probleme zu haben scheint.

Aber gut, auch Son muss lernen, mit solch einem Druck klarzukommen. So, wie in der 18. Minute gegen den Oberligisten. Nachdem Jansen bereits in der 8. Minute das 1:0 erzielen konnte, war der Südkoreaner wieder der, den wir aus den verschiedenen Vorbereitungen kennen. Einen schönen Steilpass verwertete er höchst gekonnt mit einem Schlenzer ins rechte, obere Toreck. Ein schöner Treffer, der ihm gut tat. Keine drei Minuten später schickte er Jansen mit einem perfekten Außenristpass steil – doch der vergab.

Es hatte schon etwas von Juventus Turin in der Imtech-Arena. Denn sie war leer. Jeder der rund 250 Zuschauer war einzeln zu hören, Stimmung machte nur eine kleine Gruppe sehr junger SVR-Fans. Und die applaudierten auch fair, als Michael Mancienne nach einem Aogo-Eckball sehenswert mit der Hacke das 3:0 besorgte und Son in der 31. Minute Arslan freispielte, der frei vor Schutz selbigen tunnelte – 4:0. Und die „Son-Show“ ging weiter. Gegen völlig überforderte Rugenbergener erzielte der von Fink zuvor in die Pflicht genommene Südkoreaner nach Behrens’ 5:0 (Lupfer nach Pass von Arslan) per Foulelfmeter zunächst das 6:0, um in der 40. Minute mit einem wunderschönen Lupfer aus 17 Metern das 7:0 zu besorgen. „Sonni muss auch mal zum richtigen Zeitpunkt ein Tor machen“, hatte uns Fink gestern gesagt – und sein Stürmer hat gehört. Drei Tore, ein Assist – das war okay. Obgleich auch diese Treffer nicht ausreichen dürften, um Mladen Petric oder Paolo Guerrero zu verdrängen. Wohl aber, um beim nächsten Mal den Vorzug vor Tesche zu erhalten…

Ein Oberligist, bei dem Torwart Dennis Schultz glänzen konnte, als Aufbaugegner. Vor allem für Son. Und deshalb ließ Fink seinen Youngster auch auf dem Platz, als er Guerrero und Petric zur zweiten Halbzeit brachte. Son spielte links, Guerrero als einzige echte Spitze, Petric kurz dahinter. Und es dauerte bis zum nächsten Tor. Allerdings war es wieder Son, der vorbereitete, Guerrero musste nur noch einschieben – 8:0. Und jetzt ging es Schlag auf Schlag. Petric nach schönem Lupfer-Doppelpass mit Guerrero zum 9:0 (69.) und wieder Son auf Petric – 10:0 (70.). Nochmal Petric und Rincon schraubten das Ergebnis auf 12:0 hoch. Das wars…

HSV: Drobny (46. Mickel) – Behrens (Bergmann), Mancienne, Rajkovic, Aogo (46. Ingreso) – Lam (46. Sala), Kacar (46. Jarolim), Tesche (46. Rincon), Jansen (Petric), Arslan (46. Guerrero), Son.
Tore: 1:0 Jansen (8.), 2:0, 6:0, 7:0 Son (18., 36., 40.), 3:0 Mancienne (27.), 4:0 Arslan, 5:0 Behrens (34.), 8:0 Guerrero (66.), 9:0, 10:0, 11:0, Petric (69., 70., 89.), 12:0 Rincon (90., FE.).

Das war es für heute. Son hat (wenn auch wieder nur gegen einen unterklassigen Gegner) seine Torgefahr wiederentdeckt und Guerreros Heimtorserie hat gehalten – sehr viel mehr war dieser Test leider nicht wert. Wobei der Fairness halber erwähnt werden muss, dass der mir persönlich sehr sympathische SVR gerade erst mit der Vorbereitung begonnen hat und dieses Spiel erst sehr kurzfristig angesetzt wurde. Ansonsten hätten sich die sympathischen Bönningstedter sicher etwas tapferer geschlagen… Frei nach Rincons Worten: „Die ersten sieben Minuten waren gar nicht so schlecht…“

In diesem Sinne, meine Hände sind eingefroren. Bis morgen,

Scholle (20.16 Uhr)

P.S.: Der HSV hat für 300.000 Euro den dänischen U19-Nationalspieler Christian Norgaard verpflichtet. Der 17-jährige offensive Mittelfeldspieler wechselt von Lyngby BK in die Hansestadt und unterschreibt bei den Rothosen zunächst einen Jugendfördervertrag für die Nachwuchsmannschaften. Norgaard kam in den vergangenen Jahren bei der U16 (1 Einsatz), U17 (21 Einsätze/3 Tore) und aktuell bei der U19 Nationalmannschaft (5 Einsätze) Dänemarks zum Einsatz und debütierte am 20. November 2011 bei der ersten Mannschaft von Lyngby BK in der Superligaen. Der 1,85 Meter große Rechtsfuß wird zunächst bei der U23 des HSV mitmachen.

So, das war Scholle. Bitte gestattet mir (Dieter) aber, hier noch eine ganz, ganz traurige Meldung zu veröffentlichen:

Drei Stunden nach dem Dortmund-Spiel ist Remo gestorben. Remo, der ein italienisches Restaurant in Eppendorf hatte, der einer der größten HSV-Fans aller Zeiten war, bei dem wir mit dem HSV oft Weihnachten gefeiert haben, bei dem sich viele, viele HSVer stets unheimlich wohl gefühlt haben.
Ich habe kurz vor dem Anpfiff noch mit Remo gesprochen – er stand rauchend vor der Bus-Einfahrt der Arena. Ich hatte keine Zeit, weil ich die Gewinner-Karten übergeben musste (der Gewinner wartete draußen) – und Remo sagte zu mir: “Das ist typisch, das ist richtig typisch für dich – du hast nie Zeit, du denkst immer nur an Arbeit . . .”
Nein, lieber Remo, jetzt denke ich an Dich, und ich bin unendlich traurig, dass ich keine Zeit mehr für Dich hatte. Du warst ein prima Kerl, ein großartiger Mensch, ein Super-HSVer. Ich werde stets ehrenvoll an Dich denken – danke, dass ich Dich kennen lernen durfte. Und alles Gute für Dich dort oben, ich weiß, dass Du dem HSV weiterhin verbunden bist, und dass Du ihm kräftig die Daumen drücken wirst.
Dieter

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