Der HSV will Olic, Olic will nach Hamburg – aber Wolfsburg blockt

27. Januar 2015

Es ist wieder einer dieser Tage – die niemand wirklich mag. Weder die Offiziellen, die binnen Minuten eine Vielzahl von Personalplanungen durchdenken und (um)entscheiden müssen. Kommt Zdravko Kuzmanovic, der als Sechser erste Wahl ist? Kommt letztlich doch noch Drmic aus Leverkusen, oder muss der HSV erneut umplanen? Nein, wie im Sommer ist auch diese letzte Woche der Transferperiode vollgepackt mit Transfergerüchten. Paolo Guerreros mögliche Rückkehr war heute Vormittag noch am meisten diskutiert, und wäre in meinen Augen auch ein sehr interessanter Schachzug gewesen. Aber das ist nur meine persönliche Meinung. Beim HSV war der Peruaner jedenfalls nicht erste Wahl. Das war lange Zeit Josip Drmic von Bayer Leverkusen – und der Schweizer Nationalspieler ist noch immer. Zumal Guerrero (31)– so begeistert ich von ihm als Fußballer auch bin – nicht wirklich als Investition in die Zukunft gesehen werden dürfte.

Ein anderer Rückkehrer ist das auch nicht und macht vom spielerischen Profil her eher weniger Sinn – ist dafür aber offensichtlich die deutlich heißere Nummer. Mehr noch, nachdem die „Bild“ gegen 16 Uhr mit der Nachricht des bevorstehenden Wechsels von Olic zum HSV überflutete, gab es kein anderes Thema mehr.

Er würde gern zurückkommen, darf aber (noch) nicht: Ivica Olic

Er würde gern zurückkommen, darf aber (noch) nicht: Ivica Olic

Zunächst hieß es, der HSV sei an Olic und Olic am Wechsel zum HSV interessiert, der VfL Wolfsburg sei zudem informiert. Doch dieser Anfangsverdacht wich schnell einer an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit der Rückkehr. Mehr noch, Olic soll schon am Sonnabend zum Rückrundenauftakt für den HSV auflaufen, wie das Fachmagazin „kicker“ vermeldete. „Der Mann mit der Pferdelunge“ (O-Ton Dietmar Beiersdorfer) unterschreibt demnach in den kommenden Tagen beim HSV einen Vertrag bis 2016 (so lang läuft sein Vertrag auch in Wolfsburg) und verzichtet dafür auf eine Menge Gehalt. Immerhin soll der Kroate in Wolfsburg rund vier Millionen Euro per annum verdient haben. Beim HSV soll es nur noch etwas mehr als die Hälfte sein. Zudem soll Olic nach seiner Karriere weiter für den HSV arbeiten. Auf den Wechsel angesprochen, schwieg Olic heute. Noch.

Und wie so viele andere auch (mehr Fragen über Messenger als bei Aufkommen dieses Gerüchtes gehen nicht…) würde ich mich über diesen Wechsel freuen. Und das im Wissen, dass Olic ganz sicher nicht der Typ Stürmer ist, der dem HSV aktuell fehlt. Zumindest ähnelt er in seiner Spielweise sehr dem Letten Artjoms Rudnevs. Und damit wäre einer von beiden (ziemlich sicher Rudnevs) über – der spielstarke Stürmertyp allerdings noch nicht verpflichtet. Passend dazu kursiert seit heute das noch unbestätigte Gerücht, der OSC Lille sei daran interessiert, Rudnevs auszuleighen.

Egal wie, kommt Olic, meckert keiner. Im Gegenteil: Nachdem Olic 2012 gern nach Hamburg gewechselt wäre und ihm abgesagt wurde, weil er dem HSV zu alt sei, wäre es ein Happy-End. So viel macht Sympathie gepaart mit Leistung aus. Die HSV-Fans haben nicht vergessen, wer in 115 Spielen immer vollen Einsatz gezeigt hat, dabei 48 Tore acht Vorlagen verbuchen konnte. Auch aktuell ist er beim VfL mit fünf Treffern der torgefährlichste Angreifer…

Beiersdorfer und Knäbel dürften für diesen Deal erneut gefeiert werden. . Denn selbst wenn sie Drmic als A-Lösung nicht zum Wechsel bewegen konnten, wäre diese „B-Lösung“ immer noch ein Hammer. Denn der HSV ist nicht in der Situation, finanziell offensiv vorgehen zu können – er musste lauern. Abwarten, bis sich die ultimative Chance bietet. Auf dem Weg dahin müssen viele B-Lösungen so lange hingehalten werden, bis man weiß, ob die A-Lösung realisierbar ist oder eben nicht. Sollte das mit einem Großkaliber wie Olic funktioniert haben – Chapeau! Denn dass in dieser Phase Spieler verloren gehen, weil sie sich anderweitig orientieren, ist nur logisch. Und unvermeidbar. Dennoch werden diese Namen immer wieder gegen die geschnitten, die am Ende kommen. Soll heißen: Drmic gegen Olic.

Oder kommen beide?

Eher nicht. So gern die HSV-Führung noch immer Drmic an die Elbe lotsen würde, so unwahrscheinlich ist dieser Wechsel nach einer Olic-Verpflichtung. Vielmehr soll ein weiterer „ic“ kommen – Zdravko Kuzmanovic. Der defensive Mittelfeldspieler von Inter Mailand ist und bleibt die A-Lösung von Trainer Zinnbauer und seinen Sportlich Verantwortlichen. Er kennt die Bundesliga aus seiner Zeit in Stuttgart und kann sich dem Vernehmen nach auch eine Rückkehr in die Bundesliga sehr gut vorstellen. Zudem bringt der Serbe etwas mit, was sich die HSV-Verantwortlichen wünschen: Torgefahr. Weniger bei Inter (1 Treffer in 49 Spielen), dafür aber zuvor beim VfB Stuttgart. Dort schaffte er 22 Treffer in 127 Spielen und lernte den Abstiegskampf in der Bundesliga kennen.

Aber zurück zum Thema Olic, das sich heute hin- und her drehte. Emotional betrachtet steht niemand mehr für ehrliche Maloche auf dem Platz als Olic, der es mit seiner Art zum Publikumsliebling schaffte. Und der Kroate trifft zudem. Und da ich es oben bereits einmal angeführt habe, freue ich mich ab hier nur noch über die mögliche Rückkehr des sympathischen kroatischen Nationalspielers. Vor allem, weil Olic schon am Sonnabend gegen Köln auflaufen soll.

So war der Stand – bis ca. 17.30 Uhr. Eben bis Klaus Allofs vor die Mikros trat. Der Sportliche Direktor des VfL Wolfsburg war gerade aus Frankfurt zurückgekehrt, da dementierte er schon heftig. Und das so eindeutig, dass mir die Kollegen vor Ort sagten: „Das war nicht gespielt.“

Erteilte einem Olic-Wechsel zum HSV (noch) eine Absage: VfL-Manager Klaus Allofs

Erteilte einem Olic-Wechsel zum HSV (noch?) eine Absage: VfL-Manager Klaus Allofs

Allofs gegenüber meinen Kollegen vom „Kicker“: „Richtig ist dass der HSV wohl Ivi kontaktiert hat. Und Ivi ist dann auch auf uns zugekommen ist und hat gesagt, das wäre eine vorstellbare Sache. Je nachdem, wie wir mit ihm planen. Daraufhin habe ich auch kurz einmal mit Dietmar Beiersdorfer gesprochen. Aber wir sehen da keine Chance.“ Vielmehr sei das Gespräch nur aus Respekt dem Spieler gegenüber geführt worden. „Ich habe mit ihm gesprochen und nochmals: Ivi schickt man nicht raus und sagt Blödsinn. Da muss man zumindest einen Moment drüber nachdenken. Daher auch das Gespräch mit Didi Beiersdorfer.“ Wie Olic reagiert hat? Allofs: „Es ist, wie es ist. Er hat gesagt, diese Möglichkeit besteht. Er wusste aber, dass die Tatsache, dass wir uns damit beschäftigen nicht bedeutet, dass er wechseln kann und soll. Er hat noch eineinhalb Jahre Vertrag und ist ein wichtiger Stürmer für uns.“

Oha. Eine ernst gemeinte Absage an den HSV? Oder doch nur der Anfang eines Verhandlungspokers? Ich hoffe auf letzteres und darauf, dass sich dieser Werksklub in Sachen Transferverhandlungen von dem anderen abhebt. Positiv. Spannend bleibt es allerdings vorerst.

Spannend ist es leider auch wieder in Sachen Startelf geworden. Denn nachdem sich alle sicher waren, in Cléber und Djourou eine harmonisierende und vor allem funktionierende Innenverteidigung gefunden zu haben, verletzte sich Cléber jetzt. Ein Muskelfaserriss zwingt den Brasilianer zu einer rund zweiwöchigen Pause. Damit verpasst er die so wichtige erste Englische Woche mit den Spielen gegen Köln, Paderborn und Hannover. Offen ist, ob Heiko Westermann, der zuletzt auf der Sechs zu überzeigen wusste, wieder in die Innenverteidigung rutscht oder Slobodan Rajkovic seine Chance erhält.

Und wer jetzt glaubt, dieser Schwebezustand auf den verschiedenen Ebenen sei kaum mehr auszuhalten, der möge doch bitte einmal überlegen, wie sich Zinnbauer jetzt fühlen dürfte…

In diesem Sinne, sollte noch was passieren (was durchaus drin ist), melde ich mich natürlich noch mal.

Bis dahin,
Scholle

 

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