0:0 auf Schalke – alle Achtung!

20. Dezember 2014

Der HSV holt einen Punkt auf Schalke! Alle Achtung, das hatten nach dem Katastrophen-Auftritt gegen Stuttgart die wenigsten HSV-Fans erwartet. Aber das 0:0 nach 90 Minuten war verdient, der HSV war in der zweiten Halbzeit sogar besser als die Hausherren und hätte eventuell sogar einen Dreier verdient gehabt. Der 14. Platz wurde gehalten, aber es wird immer, immer enger dort unten. Es muss auf jeden Fall etwas getan werden – jetzt von der Club-Führung. Die Spieler haben nun Pause, jetzt muss hinter den Kulissen gewirbelt werden, damit der HSV wenigstens in der Rückrunde besser aufgestellt ist. Vor allem in der Offensive, denn nach 17 Spielen neun Tore – das hat schon was. Hat was von Unvermögen! Da muss etwas getan werden, auf jeden, jeden Fall!
Frohes Fest!

 


 

Gegen Stuttgart zuletzt hatte der HSV sein „hässliches Gesicht“ gezeigt, wie es Sport-Direktor Peter Knäbel formulierte, auf Schalke zeigte der HSV von Beginn ein ganz anderes, ein viel schöneres Gesicht. Es wurde gebissen, gekämpft, gelaufen und teilweise auch ganz gut gespielt, in der Abwehr auf jeden Fall diszipliniert und konzentriert. Es wurde kaum mal ein Zentimeter verschenkt, und im Aufbauspiel wurde oftmals auch, was gegen Stuttgart total vermisst worden war, mit Tempo. Die vielen Quer- und Rückpässe wie zuletzt waren nicht so häufig zu sehen – es geht doch!

 

Trainer Joe Zinnbauer hatte, erwartungsgemäß, Matthias Ostrzolek statt Ronny Marcos auf die linke Seite der Viererkette gestellt, und auch rechts gab es eine – überraschende – Änderung: Dennis Diekmeier blieb draußen, Ashton Götz kam. Warum? Zinnbauer wird es sicherlich nach dem Spiel in Gelsenkirchen erklären, ich denke mir mal, dass er Götz in der Defensive etwas mehr Standfestigkeit zutraute. Gefehlt haben weiterhin Marcell Jansen, Rafael van der Vaart (5. Gelbe) und Pierre-Michel Lasogga (verletzt). Zu Hause geblieben war Tolgay Arslan, mehr oder weniger aus „erzieherischen“ Gründen – auch so ein Gedankenspiel von mir. Vielleicht auch nur deshalb, damit sich Arslan nicht noch verletzt – damit er in der Winterpause noch verkauft werden kann . . .

 

Das Spiel auf Schalke begann gleich mit einem Paukenschlag. Nach 81 Sekunden köpfte der Schalker Huntelaar die Kugel nach einem Eckstoß aus vier Metern gegen die Querlatte des HSV-Gehäuses. Mein Gott, wenn dieser Ball schon drin gewesen wäre!? Und noch einmal Huntelaar. Nach einem Freistoß von links lenkte Johan Djourou den Ball in Richtung langer Pfosten, dort tauchte der Niederländer auf, wollte volley einschießen, kam aber nicht mehr mit seinem Körper hinter die Kugel – Glück für den HSV (18.).

 

Eigene Torgefahr entwickelten die Hamburger erst später. In der 29. Minute lief der Angriff über rechts, Nicolai Müller bediente Artjoms Rudnevs, der halb flache Eingabe, halb Torschuss, am langen Pfosten machte sich Petr Jiracek lang und länger, aber wie zuvor Huntelaar schaffte es auch der Tscheche nicht, den Ball kontrolliert auf das Tor zu bringen – vorbei. Schade. Aber immerhin mal ein Lebenszeichen des HSV, denn bis dahin hatte sich Schalkes Torwart Fährmann mit Gymnastik warm gehalten. Apropos gehalten: Drobny hielt einen Kopfball von Höwedes, und Fährmann den ersten Ball, der auf sein Tor flog – einen Kopfball von Jiracek (36.).

 

Das Spiel war zu diesem Zeitpunkt ausgeglichen, der HSV mischte tüchtig und wacker mit. Einziger „Höhepunkt“ kurz vor der Pause: Valon Behrami „bettelte“ mit einer unnötigen „Sabbelei“ so lange bei Schiedsrichter Markus Schmidt um gelb, bis der den vorweihnachtlichen Wunsch des Schweizers erhörte. Anschließen wollte auch Johan Djourou noch den gelben Karton, indem er seinen Teamkollegen „freisprechen“ wollte, aber Schmidt beließ es bei einem Male Gelb (42.). Gnädig.

 

Sekunden später landete eine verunglückte Müller-Flanke in den Armen von Fährmann, der zweite Ball, den der Keeper fangen oder halten musste. Ohne Abwehrmöglichkeit wäre Fährmann dann in der 45. Minute geblieben – wenn der Ball richtig getroffen worden wäre. Müller schickte Rudnevs in den Schalker Strafraum, der Lette kreuzte dort völlig frei auf – und entschied sich dafür, mit links zu schießen. Ein fataler Fehler! Der gute „Rudi“ „paddelte“ die Kugel aus 14 Metern am Tor, das sperrangelweit geöffnet war, vorbei – da kann man verzweifeln! Draußen, drinnen und vor dem Fernseher. Weil man als abstiegsgefährdeter Club nicht viele solcher Chancen bekommt – und die dann einfach auch mal eiskalt nutzen muss. Siehe Köln vor ein paar Wochen in Gelsenkirchen: zweite Halbzeit, erste Chance, erstes Tor – gewonnen. So kann man es eben auch mal machen. Oder man müsste es einfach mal so machen.
Halbzeit.

 

Und dann kam der HSV. Die Anfangsphase des zweiten Durchgangs gehörte den „Zinnbauern“. Auch wenn der frühere HSV-Profi Eric-Maxim Choupo-Moting die erste riesige Möglichkeit auf dem rechten Fuß hatte. Er lief aus spitzem Winkel auf Jaroslav Drobny zu, der Tscheche baute sich vor dem Schalker auf und hielt den als Heber gedachten Schuss (48.). Riesig! Aber der HSV „schlug“ zurück – mit einer großartigen Chance. Plötzlich und unerwartet kam Lewis Holtby an den Ball (weil ein Schalker Abwehrversuch fehlgeschlagen war), er zog beherzt aus 14 Meter ab – der Ball schien auf dem Weg ins Netzt, aber dann war Fährmann wie eine Krake zur Stelle und hielt die Kugel – sogar fest (50.). Unfassbar. Und neun Minuten später flog eine Holtby-Ecke quer durch den Schalker Fünfmeterraum, aber niemand kam dran. Bitter.

 

Es blieb beim verdienten 0:0 – oder hatte der HSV vielleicht einen Sieg verschenkt? Von Schalke kam im zweiten Durchgang nicht mehr viel – ein Verdienst des disziplinierten HSV-Spiels.

 

Der HSV spielte mit: Drobny; Götz, Djourou, Cleber, Ostrzolek; Behrami; Jiracek; Müller, Holtby; Gouaida, Rudnevs.

 

Die Einzelkritik:

 

Jaroslav Drobny verbrachte eigentlich einen ruhigen Nachmittag, das, was auf sein Tor kam, hielt er sicher – und gegen Choupo-Moting (48.) gigantisch.

 

Ashton Götz machte ein richtig gutes Spiel – in der Defensive. Er wirkte sehr selbstbewusst und ballsicher – das war eine wirklich runde und gelungene Sache.

 

Johan Djourou hatte ab und an mal einen ganz kleinen „Aussetzer“ (im Abspiel), aber ansonsten stand er wie eine Eins.

 

Cleber zeigte sich nach dem schlimmen Stuttgart-Spiel wieder von seiner besten Seite, zweikampf- und kopfballstark, aggressiv in den Zweikämpfen – so muss es sein. Bis auf den Ellenbogenschlag gegen Höger, 16 Meter vor dem HSV-Tor. Das muss nicht sein! Blieb zum Glück ohne Folgen – bis auf die dritte Gelbe für den Brasilianer.

 

Matthias Ostrzolek verrichtete seine Defensiv-Aufgabe zufriedenstellend, nach vorne müsste mehr kommen – nach wie vor.

 

Valon Behrami zeigte gegenüber dem Stuttgart-Auftritt verbessert, aber immer noch nicht wieder in Bestform.

 

Petr Jiracek spielte eine solide erste Halbzeit, dann schien es so, als würden ihn so langsam die Kräfte verlassen.

 

Nicolai Müller lief viel, lief auch enorm viel rückwärts, bot eine gute Leistung als Teamplayer, weil er weite und weiteste Wege ging. Nach vorne blieb er dann aber doch einiges schuldig.

 

Lewis Holtby fand nicht so recht ins Spiel, das ist ja immer so, aber in der zweiten Halbzeit legte er als Ex-Schalker noch richtig gut zu.

 

Mohamed Gouaida findet sich immer besser zurecht, nach einem passablen ersten Durchgang ließ er einen starken zweiten Durchgang folgen. Er hält den Ball am Fuß, verteilt ihn gut – alles okay.

 

Artjoms Rudnevs ließ leider die beste Chance des HSV aus, aber er bewegte sich wieder viel und gut – er macht es zurzeit besser als (der verletzte) Lasogga. Deutlich besser!

 

PS: Wir sind gleich wieder mit „Matz ab live“ zur Stelle und sprechen über das letzte Spiel des Jahres. „Scholle“ und ich freuen uns auf Euch, wir haben – wie ich finde – zwei tolle Gäste: Das ehemalige Aufsichtsrats-Mitglied Frank Mackerodt und den früheren Bundesliga-Spieler und –Trainer Jürgen Wähling.

 

17.31 Uhr

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