Mit Rudnevs und Lasogga beim FCA?

28. November 2014

Keine drei Minuten waren vom Abschlussspiel gespielt, da brach er ab: Jaroslav Drobny musste nach einer Behandlungspause das Training beenden und ging in die Kabine, um sich dort intensiv untersuchen und behandeln zu lassen. „Er hat beim Kreisspiel wohl irgendwie eine ungute Bewegung gemacht und hatte danach Probleme“, so Zinnbauer nach dem Training unter Ausschluss der Öffentlichkeit bei gefühlten Minusgraden. „Ich werde mich jetzt mit den Ärzten unterhalten und dann entscheiden wir“, kündigte der HSV-Coach um 13.25 Uhr an, während U23-Ersatzkeeper Kevin Otremba extra von der Regionalliga-Mannschaft den Weg gen Profikabine einschlug, um für den Notfall mit in Augsburg zu sein.

Um 14.30 Uhr, also bei der Abfahrt der Mannschaft zum Flughafen, gab es dann eine Art Teilentwarnung. Soll heißen: Drobny flog nicht nur mit, er soll auch spielen können. Sofern sich in der Nacht die Situation nicht verschlimmert. Für den Fall wäre der 19-jährige Alexander Brunst („Ich drücke Drobo die Daumen. Und wenn es nicht geht, bin ich natürlich bereit“) die Nummer eins und der gerade 20 Jahre alte Otremba würde als Ersatzkeeper in den Kader rücken. Rene Adler hingegen ist weiterhin verletzt. Der an Rückenproblemen laborierende Dauerpatient konnte auch heute nicht mittrainieren. Und während Marcell Jansen mit Rehatrainer Markus Günther einen Waldlauf absolvierte, arbeitete der einstige Nationalkeeper im Kraftraum und wurde behandelt.

Vorerst 19 Mann sind also mit nach Augsburg – und es sind fast die aus dem Bremen-Spiel. Lediglich Julian Green schaffte es, sein Tribünendasein gegen eine Nominierung einzutauschen. Für Ivo Ilicevic, Gojko Kacar, Slobodan Rajkovic, Petr Jiracek, Adler und Jansen sowie Zoltan Stieber war hingegen erneut kein Platz. Und mich beschleicht das dumpfe Gefühl, dass ein großer Teil dieser Namen auch im Winter als erste gehandelt werden, wenn es darum geht, Gehaltseinsparungen über Verkäufe zu generieren. Wobei ich Adler rausnehmen müsste, nachdem der gerade ein Gespräch mit Vorstandsboss Dietmar Beiersdorfer hatte in welchem der HSV-Boss ihm sein Vertrauen für die Zukunft aussprach.

Und mit den oben Genannten ist es noch nicht getan. Zinnbauers Streichopferliste könnte sich morgen noch verlängern. Denn auch heute ließ der HSV-Coach Mohamed Gouaida rechts und Ronny Marcos links spielen. Lewis Holtby und Pierre Michel Lasogga agierten derweil in der B-Elf – zumindest in der zweiten Hälfte des Abschlussspiels, das Zinnbauer genauso spielen ließ wie gestern: Drobny – Götz, MC Westermann, Djourou, Ostrzolek – Behrami, van der Vaart – Marcos, Müller, Gouaida – Rudnevs. In der ersten Hälfte des Abschlusskicks waren Holtby und Lasogga für Müller und Rudnevs im A-Team. Soll heißen: Die Entscheidung, wer vorn spielt, ist weiter offen. Das oft zitierte Bauchgefühl in der Nacht zu Sonnabend wird Zinnbauer, dem ich zutraue, dass er mit seinen Trainingsaufstellungen alle foppt, voraussichtlich wieder leiten.

Und so viel auch darauf hindeutet, dass mit Marcos der nächste U23-Akteur offenbar unmittelbar vor seinem Bundesligadebüt steht – ich glaube nicht wirklich daran. Er selbst ist ebenfalls skeptisch. „Ich bin gespannt, was passiert“, so Marcos nach dem Training. Der pfeilschnelle Linksfuß versucht bewusst, seine Erwartungen so niedrig anzusetzen, wie es geht. „Dann bin ich nicht enttäuscht, wenn es noch nicht klappt. Ich bin jetzt das zweite Mal im Kader und freue mich darüber. Ansprüche stelle ich nicht. Wenn es klappt, wäre es natürlich eine wundervolle Sache. Wenn nicht – dann nicht. Dann geht’s auch weiter. Deshalb nehme ich es wie es kommt.“

Und das ist gut so. Zumal ich glaube, dass entweder Marcos oder Gouaida für Nicolai Müller weichen muss. Ich glaube, dass Zinnbauer auf jeden Fall Lasogga wieder ranlässt. Die große Frage ist eher, ob er Rudnevs oder Holtby neben dem Angreifer spielen lässt. Und irgendwie – jetzt komme ich mal mit Bauchgefühl – glaube ich an die Doppelspitze in Augsburg. Was für Marcos leider bedeutet, dass er auf sein Debüt weiter warten muss.

Aber für den ist das dem Vernehmen nach kein Problem. Er ist froh darüber, so nah an den Profis dran zu sein. Vor allem, nachdem er bei seiner letzten Station, dem FC Hansa Rostock, am Ende sehr unglücklich war. „Mit den Trainern Wolfgang Rolff und Marc Fascher in der Dritten Liga war alles gut, mit Andreas Bergmann klappte das nicht mehr so. Hier beim HSV hat sich alles schon wieder deutlich zum Positiven entwickelt“, so Marcos, der im Laufe dieser Woche ein kurzes Gespräch mit Zinnbauer hatte. „Ein durchweg positives Gespräch“, verrät Marcos, „der Trainer hat mir gesagt, dass es gut aussieht und ich weiterhin Gas geben soll und muss. Und genau das mache ich.“

Zuletzt gegen Braunschweig im Test sogar mit dem 1:0-Siegtreffer – und das als Linksverteidiger. Zumindest ist das seine Stammposition in der U23. Bei den Profis spielte der Sohn mosambikanischer Eltern links offensiv. Zinnbauer steht auf seine Schnelligkeit. „Wenn der Trainer schnell nach vorn spielen will, passt das bei mir sicher ganz gut. Tempo ist eine meiner Waffen.“

Und damit verdrängte er immerhin schon mal drei gestandene Profis aus dem Kader. Petr Jiracek und Ivo Ilicevic, der unter Zinnbauer einen schweren Stand hat sowie Zoltan Stieber. Alle drei mussten schon beim 2:0-Sieg im Nordderby zuschauen.

Aussortiert: Zoltan Stieber macht beim HSV gerade ein Tief durch

Aussortiert: Zoltan Stieber macht beim HSV gerade ein Tief durch

„Es ist natürlich eine sehr schwere Situation für mich“, sagt Stieber, der in der vergangenen Woche erst spät von der ungarischen Nationalelf zurückkehrte und auch deshalb von Zinnbauer nicht berücksichtigt worden war. „Und dann hat die Mannschaft gewonnen und der Trainer will nicht zu viel ändern“, erkennt Stieber an, „das passiert, das kenne ich auch. Ich weiß aber auch, dass es im Fußball alles immer sehr schnell gehen kann. Und deshalb bin ich noch weit davon entfernt, aufzugeben.“

Das soll er auch bitte nicht. Ganz im Gegenteil. Zumal er weiterhin darauf hofft, beim und mit dem HSV seinen Durchbruch in der Bundesliga zu schaffen. „Privat klappt hier alles super“, so Stieber. Der 26-Jährige bringt es in seiner Karriere auf bislang 31 Bundesligaspiele (acht Ein- und elf Auswechslungen) und drei Tore bringt. Dass er als ungarischer Nationalspieler jetzt einem 20-Jährigen den Platz überlassen muss, ist bitter für ihn. Wie er damit umgeht? „Ich gebe einfach noch mehr Gas im Training. Es gibt da keinen anderen Weg.“

Außer vielleicht den über gute Leistungen für die U23. Denn erstmals in dieser Saison werden nicht nur Spieler hochgezogen – sondern einer geht auch runter: Slobodan Rajkovic. Der Serbe gilt in der U23 als außergewöhnlich gern gesehener Gast, nachdem er letzte Saison bereits mehrere Spiele dort absolviert hatte und positiv aufgefallen war. Jetzt soll und will der Innenverteidiger Spielpraxis sammeln. „So viel es geht will ich“, sagt Rajkovic, der für das Spiel gegen den VfB Oldenburg (14 Uhr, Wolfgang-Meyer-Anlage) seine Verabredung mit Gojko Kacar absagen musste. Beide wollten zusammen das Spiel in Augsburg schauen. Bitter für Kacar, dem der Frust über seinen sportlichen Absturz nach der gefeierten Sommervorbereitung ins Gesicht geschrieben steht, der aber weiter schweigt.

Hart wird es auch morgen in Augsburg. Der FCA gilt als taktisch außergewöhnlich gut geschult und diszipliniert. Bei den letzten A-Trainerscheinlehrgängen wurde in den taktischen Lehr-Videos sehr häufig mit Spielszenen aus Augsburg-Spielen gearbeitet, wie mir ein sehr guter Bekannter (und jetzt A-Lizenzhalter) berichtete. „Das wissen wir“, so Zinnbauer, „und das können wir auch.“ Nur wie, wollte er nicht verraten – was mich nicht überrascht. Dennoch, und damit möchte ich den Blog für heute beschließen, glaube ich, dass Zinnbauer überraschen wird und Rudnevs zusammen mit Lasogga spielen wird.

Hat sein Lachen wieder und könnte in Augsburg von Beginn an ran: Artjoms Rudnevs (l.)

Hat sein Lachen wieder und könnte in Augsburg von Beginn an ran: Artjoms Rudnevs (l.)

Ich hoffe zumindest, dass sie so beginnen, weil Augsburg in der ersten Hälfte anfälliger zu sein scheint. 75 Prozent (neun von zwölf) seiner Gegentore kassierte der FCA in Hälfte eins. Daher tippe (hoffe) ich auf: Drobny – Götz, DJ Westermann, Djourou, Ostrzolek – Müller, Behrami, van der Vaart, Gouaida (Green) – Rudnevs, Lasogga. Holtby wäre somit zunächst auf der Bank, Green könnte die größte Überraschung sein.

Auf unsere Sitzbank im Champs nehmen morgen während des Spiels und danach in der Matz-ab-Live-Sendung die beiden Toptalente Ahmet Arslan und Matti Steinmann Platz. Mit den beiden werden wir über den neuen „Jugendwahn“ beim HSV und natürlich über das dann gewonnene Spiel der Profis (sowie das der U23 zuvor) sprechen.

Bis dahin,
Scholle

 

P.S.: So scheint der FCA morgen beginnen zu wollen: Manninger – Verhaegh, Callsen-Bracker, Klavan, Baba – Baier – Bobadilla, Feulner, Halil Altintop, To. Werner – Mölders.

Schiedsrichter: Dr. Jochen Drees (Münster-Sarmsheim)
Assistenten: Bornhorst (Damme), Gittelmann (Albisheim)
Vierter Schiedsrichter: Willenborg (Osnabrück)

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