Wegen Adler – Stein lobt den HSV!

19. Mai 2012

20 Punkte auf einmal. Nach dieser mageren Saison. Ein Traum! Doch dieser Traum erfüllt sich nur an diesem Sonntag, wenn der HSV zur Fortsetzung bitte. Zur Außerordentlichen Mitgliederversammlung, die am 15. Januar aus Zeitgründen abgebrochen werden musste, und die nun am Sonntag um 11 Uhr in der Imtech-Arena weitergeführt wird. Mit 20 Punkten auf der Tagesordnung. Die Pforten des Stadions werden bereits eine Stunde vor dem „Anpfiff“ von Aufsichtsrats-Chef Ernst-Otto Rieckhoff geöffnet. Es sind viele Anträge auf Änderung der Satzung eingegangen, die dürften wahrscheinlich auch lebhaft diskutiert werden. Brisanz ist gegeben, denn es geht auch um die Köpfe im Aufsichtsrat. Endlich wird das heiße Thema, das vielen HSV-Mitgliedern (und sicher auch vielen Fans) schon seit Jahren ein Dorn im Auge ist, einmal angepackt – nämlich die Zahl zwölf. Was mich optimistisch stimmt ist die Tatsache, dass einige Räte ja selbst dafür sind, die Zahl zu reduzieren. So wie es heute noch aussieht, gibt es diesmal etwas auf die „Zwölf“. Und das ist auch gut so.

Ich bin gespannt, wie viele Mitglieder an diesem Sonnen-Tag tatsächlich erscheinen, und wie hoch die Wellen schlagen werden. Zudem könnte es ja auch noch die einen oder anderen Abstecher zur schwächsten HSV-Saison aller Zeiten geben – und in diesem Fall auch um die Frage, wer diese verkorkste 49. Bundesliga-Spielzeit hauptsächlich zu verantworten hat. Wie gesagt, es könnte viel Feuer in dieser Veranstaltung sein.

Ich sprach über den HSV 2011/12 und über den HSV der Zukunft mit einem der Helden von 1983. Uli Stein hat 228 Erstliga-Spiele für den HSV bestritten, und er hat, obwohl er seit Jahren im Westen wohnt, immer noch die Raute im Herzen. Er beschäftigt sich oft mit „seinem HSV“, und er spricht viel und oft mit ehemaligen Kollegen, die immer noch in Hamburg beheimatet sind. Ich hatte ja kürzlich hier schon meiner Hoffnung Ausdruck verliehen, dass die Verpflichtung von Ex-Nationaltorwart Rene Adler ein Hoffnung auf bessere Zeiten für den HSV sein könnte. Wie sieht das ein so erfahrener Keeper wie Uli Stein, der ja in der Vergangenheit oftmals den Geschehnissen innerhalb des Klubs sehr skeptisch und auch sehr kritisch gegenüber stand?

„Auch ich habe diese Hoffnung. Wenn Rene Adler tatsächlich fit ist, und davon gehe ich mal schwer aus, denn der HSV wird Adler ja ordentlich durchgecheckt haben, dann gehört er zur Creme de la Creme des deutschen Fußballs, und dann kann man davon ausgehen, dass er dem HSV auch richtig gut helfen wird. Adler steht von der Leistung her auf einer Stufe mit Manuel Neuer, und diese Verpflichtung wird dem HSV bestimmt sehr gut tun.“ Stein sagt aber auch: „Ich hoffe sehr für ihn und den Verein, dass Adler nun mal von Verletzungen verschont bleibt, dass er dem HSV dann auch wirklich eine ganze Saison ohne Unterbrechungen zur Verfügung stehen kann.“

Dass Rene Adler verpflichtet wurde, das begrüßt Uli Stein ausdrücklich: „Ich hätte ihn trotz der Tatsache, dass auch Jaroslav Drobny noch da ist, auf jeden Fall auch geholt. Und ich habe ja von meinen Bekannten in Hamburg auch gehört, dass der HSV noch einen guten Nachwuchstorwart hat, Florian Stritzel, Jugend-Nationalkeeper, von dem halten in Hamburg ja auch einige sehr, sehr viel. Eventuell gibt der Verein ja auch la einem ganz jungen Mann die Chance, Gladbach, Leverkusen und Hannover haben das ja in der Liga schon vorgemacht. Und ich könnte mir durchaus vorstellen, dass Drobny den HSV doch noch verlassen wird. Das muss er ganz allein wissen, ob er sich ein weiteres Jahr auf der Bank antun will.“

Um noch einmal auf Adler zu kommen. Uli Stein sagt weiter: „Dafür, dass er ein so guter Torwart war und hoffentlich auch wieder wird, kostet er ja relativ wenig Geld. Dafür musste man ihn holen. Und hinten fängt man an mit dem Erfolg, steht die Null, dann kann man darauf aufbauen. Nein, in diesem Fall muss ich sagen, dass der HSV sportlich die richtige Entscheidung getroffen hat, diesmal gibt es nichts zu kritisieren.“ Wobei Uli Stein durchaus Kritik anzubringen hat: „Ich kann zum Beispiel nicht verstehen, warum der HSV Drobny nicht zum FC Bayern ziehen ließ, als es das Angebot aus München gab. Da wollte der HSV offenbar zu viel Geld und hat zu hoch gepokert, und das war wirtschaftlich nicht der klügste Schachzug. Wenn man die Chance hat und es dann nicht macht, dann ist das für mich nicht nachvollziehbar. So gut wie sie das mit Adler gemacht haben – mit Drobny haben sie da gleich einen neuen Flop hinterher gelegt. Das macht keinen Sinn für mich.“

Und macht es denn Sinn für ihn, dass nun noch vor der Mitgliederversammlung der Vertrag von den Vorstands-Herren Carl-Edgar Jarchow und Joachim Hilke um zwei Jahre verlängert wurden? Uli Stein: „Das kann man so oder auch so sehen. Natürlich hat der HSV seine schlechteste Saison aller Zeiten gespielt, aber vielleicht sollte man den Leuten, die ja erst knapp über ein Jahr im Amt sind, noch eine zweite Chance geben. Viel schlechter als zuletzt kann man es ja nicht mehr machen, aber dieser Vorstand musste ja ein schweres Erbe antreten. Es war wie beim Trainer, alle mussten sie das übernehmen, was ihnen überlassen wurde. Jetzt, mit der neuen Saison, da hat Thorsten Fink endlich die Chance, seine Ideen umzusetzen, seine Mannschaft aufzubauen. Und so sollte es auch für den Vorstand sein, und deswegen halte ich es auch für in Ordnung, dass diese Verträge verlängert wurden.“

Uli Stein, heute 57 Jahre alt, wollte kürzlich ja auch die Funktionärsebene betreten, und zwar die bei seinem Stamm-Klub Arminia Bielefeld. Das hat sich allerdings zerschlagen. „Ich habe alles das, was die Arminia betrifft, erst einmal auf Eis gelegt. Generell aber habe ich schon Interesse, so etwas mal zu machen, es muss ja nicht Bielefeld sein“, sagt Stein. Also wäre der HSV ein Thema? Stein: „Warum nicht?“

Viele seiner früheren Teamkollegen sollten schon beim HSV einsteigen, oftmals wurde die Rolle als Aufsichtsrats-Mitglied gehandelt – doch die meisten winkten ab. Stein: „Das war auch richtig so, das hätte ich auch gemacht. Als Aufsichtsrat kannst du doch nichts bewegen, da hast du keine Möglichkeit, Einfluss zu nehmen. Deshalb kann ich mir nur vorstellen, entweder als Sportchef zu arbeiten, oder als Vorstandsmitglied. Aber der Sportchef-Posten ist beim HSV ja besetzt, und die Vorstands-Posten sind auch fest vergeben . . . Aber in den Aufsichtsrat – niemals, das ist unvorstellbar für mich.“ Er sagt auch noch: „Das hat man ja auch in der Hoffmann-Ära gesehen, da waren ja viele Aufsichtsrats-Mitglieder einseitig – und zwar für die Belange des Vorstandes – beeinflussbar. Und genau so etwas ist nichts für mich.“

Und was traut der frühere Nationaltorwart dem HSV in Zukunft sportlich zu? Stein: „Du musst eines machen, aber das wird der Thorsten Fink viel besser wissen, und ich halte viel von Fink, der hat für mich beim HSV super Arbeit geleistet, und das mit einem ganz kleinen Etat, du musst jetzt eine Mannschaft zusammenstellen, die auch als Einheit aufritt. In der nun abgelaufenen Saison waren da elf Einzelspieler, oder auch 18 oder 19 – aber es war kein Team. Du hast weder auf dem Rasen noch außerhalb etwas von einem Teamgeist gespürt oder erlebt, da hat jeder nur sein eigenes Ding gemacht – und da muss jetzt reagiert werden. Da muss wieder eine Mannschaft auf den Platz, die zusammenhält, und die für die Raute und auch für die Fans marschiert und läuft. Das war das ganz große Manko des HSV in den letzten Jahren, speziell in der letzten Saison.“

Uli Stein sagt aber auch: „Vielleicht sollte man in diesem Jahr nicht nur in der Nachwuchs-
Abteilung des FC Chelsea nach neuen HSV-Spielern suchen, Talente gibt es auch in anderen Vereinen – selbst in deutschen Klubs. Das ist auch ein Manko gewesen, das lief mir zu einseitig ab. Es gibt so viele Klubs, die sehr gute Nachwuchsarbeit verrichten, dann sollte man eben auch dort mal gucken. Der HSV hat doch ein Scouting-System – was macht denn die? Dann muss man da auch mal ansetzen, wenn da nichts kommt, dann muss man eben auch dort mal neue Gesichter präsentieren.“

Stein weiter: „Bei anderen Klubs hat man es doch gesehen, dass man junge Leute nach oben bringt, und dass man die dann auch für viele, viele Millionen verkaufen kann. Das wäre doch auch eine Chance für den HSV. Zum Beispiel der Gladbacher Reus, der ein Götze, ein Schürrle. Solche Jungs muss man mal rausbringen, dann kann man auch mal richtig Geld schnappen – aber beim HSV sieht es da ja im Moment düster aus. Auch finanziell. Da gibt es ja wohl nichts mehr. Aber das ist auch irgendwie klar, denn man muss sich mal überlegen, wie viel Geld da in der Vergangenheit verpulvert wurde. Für nichts. Das war schon abenteuerlich. Wer hat da auch nur irgendetwas kontrolliert? Da wurden Millionen zum Fenster hinausgeschüttet, aber für was? Für null Erfolg. Das passt doch nicht zum HSV.“

Genau.

Aber bevor Uli Stein beim HSV in irgendeiner Form mitwirken wird, da erledigt er selbstverständlich noch seinen Job als Torwart-Trainer von Aserbaidschan – unter der Regie von Chef-Coach Berti Vogts. Beide Herren haben noch einen Vertrag bis Mitte 2013 – und fliegen am Sonntag erst einmal nach Tokio, zum Länderspiel gegen Japan. „Dieser Job macht mir Spaß, man kommt viel in der Welt herum“, sagt Uli Stein. Und genau das hat der HSV im Moment ja auch nicht zu bieten . . .

Ganz kurz möchte ich noch auf Düsseldorf gegen Hertha eingehen. Am Montag erst die Entscheidung, wie es nun weitergehen soll – ein Wiederholungsspiel? Ich glaube eigentlich nicht mehr daran, nach all den Dingen, die Schiedsrichter Wolfgang Stark so von den Berliner Spielern geschildert hat. Aber gespannt bin ich, wie die Strafen für die Fußballer ausfallen werden. Wenn ich so an Paolo Guerrero denke, da wurde das Strafmaß ja schon sehr, sehr weit nach oben gesetzt, demnach müsste sich der gute Kobiaschwili eigentlich einen Verein im Ausland suchen, in Deutschland wird er in den nächsten Jahren wohl kaum zum Zuge kommen können . . .

So, nun wünsche ich euch viel, viel Spaß beim Grillen und beim Champions-League-Finale. Meinen Tipp bin ich ja schon im Film mit „Scholle“ losgeworden – stellt euch auf einen langen Abend ein.

Trotz allem drücke ich dem deutschen Fußball die Daumen, es wird mal wieder Zeit . . .

18.51 Uhr

Warum tut sich ein Boss diesen Job an?

18. Mai 2012

Acht Trainer in acht Jahren weg – nur der Vorstand blieb. Und als der Vorstand nicht mehr blieb, da entließen auch die Nachfolger mit Michael Oenning den nächsten Trainer. Diese Bilanz muss nun offenbar ausgeglichen werden. Acht Jahre, acht raus, aber alle anderen blieben – nun ein Jahr, ein Trainer weg; und deshalb müsste natürlich auch der Vorstand weg. Logisch. Wird sicherlich auch eine Formel für eine solche Rechnung geben, zum Schluss mit Wurzel aus . . . Es ist schon fatal, wie einige oder viele HSV-Fans denken. Bei Misserfolg? Alle raus! Wenn wir uns darauf einigen, dann sollte jedes Jahr gewechselt werden. Spätestens. Aber ich frage mich – und euch: Welche Chance hatten denn Carl-Edgar Jarchow, Frank Arnesen, Joachim Hilke und Oliver Scheel, damals, als sie am 15. März 2011 antraten? War das wirklich eine faire Chance?

Bevor Jarchow damals gesucht und gefunden wurde, sprach ich wochen- und monatelang mit „großen“, verdienten HSVern, die einst in führender Position waren. Die hatten alle eine einhellige Meinung: null Bock auf den Vorstands-Vorsitzenden. Einer sagte mir immer wieder: „Das, was da unter dem Thema Vereins-Finanzen läuft, ist nicht mehr durchschaubar. Das ist ein wirres Konstrukt, das nicht mehr aufzubröseln ist, und deswegen lässt man da besser die Finger von weg.“ nur ein neues Beispiel, das “Scholle” ausgegraben hat (und morgen im Hamburger Abendblatt behandelt wird): 2005 wurde bekanntlich Rafael van der Vaart verpflichtet. Noch immer hat der HSV deswegen an Ajax Amsterdam 1,5 Millionen Euro zu blechen. Noch immer. Diese 1,5 Millionen wurden dem schon damals klammen HSV gestundet, weil der zu Ajax Amsterdam wechselnde HSV-Trainer Martin Jol ja eigentlich noch einen Vertrag in Hamburg hatte. Quasi als Ablösesumme wurde vereinbart, dass diese noch offenen 1,5 Millionen Euro erst später, nämlich jetzt, bezahlt werden. So verworren sind heutzutage Transfers im Profi-Fußball . . .

Jarchow aber trat aber trotz dieser wirren Verschachtelungen an. Warum auch immer. Eines aber war er vorher ganz sicher: HSV-Fan. Und Mitglied. Und ganz sicher wollte er den Klub auch nicht vor die Hunde gehen lassen. Was er aber von Beginn an tat – er sprach die Wahrheit. Und diese Wahrheit hören eben in dieser Stadt (und nicht nur hier) nicht alle so gerne. Jarchow sprach von leeren Kassen. Nicht deshalb, um seinen Vorgängern die Schuld in die Schuhe schieben zu können, sondern um zu erklären, warum der HSV nun kaum noch richtige Stars verpflichten kann, sondern in erster Linie nur noch Talente wie Töre, Rajkovic, Mancienne, Bruma und Sala. Durfte der Herr Jarchow so etwas nicht sagen? Ist die Wahrheit in Hamburg und vor allem beim HSV nicht mehr erwünscht?

Und wenn Jarchow bei einigen (von euch) doch die Wahrheit sagen durfte (nebenbei, der Herr Arnesen sprach immer munter mit von den leeren Kassen!), dann wird ihm noch angekreidet, dass der HSV unter seiner Regie die schlechteste Saison aller Zeiten gespielt hat, und dass der Herr Jarchow immer noch keinen großen Fisch an Land gezogen hat, um damit dem HSV wieder Geld in die Kasse zu spülen. Große Fische aber, das hat doch wohl inzwischen jeder von uns am eigenen Leibe gemerkt, gibt es in den Zeiten der weltweiten Finanzkrise kaum noch zu ködern. Und wenn, dann muss dafür auch eine gewisse Leistung erbracht werden. Die aber erbringt der HSV doch schon lange nicht mehr – oder sehe ich das etwa falsch? Müssten diesem HSV nicht alle Sponsoren und Multi-Millionäre die Tür einlaufen, damit sie hier ihre Gelder platzieren können?

Carl-Edgar Jarchow und zwei seiner drei Mitstreiter sind etwas mehr als ein Jahr in Amt und Würden. Sollte er in genau diesen schwierigen Zeiten, in denen ein Trainer nach dem anderen vom Hof gejagt wurde, Wunder vollbringen? Was erwarten diese Fans, die ihn schon wieder zum Teufel wünschen, eigentlich von einem Vorstands-Vorsitzenden des HSV? Ich kann nur noch einmal an Erich Ribbeck und seine Zeit beim HSV erinnern. Er wurde vom damalige HSV-Boss Ernst Naumann während eines Trainingslagers auf Teneriffa geködert. Und viel später dann, als der „schöne Erich“ längst in Hamburg seinen Dienst als Sportchef (bei Trainer Willi Reimann) angetreten hatte, sagte er mir mal: „Ich bin in die Geschäftsstelle am Rothenbaum gefahren, und als ich da durch die Eingangstür ging, da sah ich voller Schrecken, dass dahinter gar nichts mehr war. Außer ein paar morsche Balken, die diesen ganzen Klub noch zusammenhielten. Aber selbst diese morschen Balken waren schon notdürftig geflickt und verbunden . . .“

Was Ribbeck damit sagen wollte: der HSV lag damals schon am Boden. Okay, nun werden genau jene HSV-Anhänger frohlocken, die dann noch erlebten, dass dieser marode HSV doch noch in die Champions League und mehrfach in die Europa League kam. Wie ging das denn? Mit Trick 17. Und lange Zeit auch mit einer vernünftigen Finanz-Politik. Geld wurde eingenommen, es wurden neue Sponsoren gefunden, und es wurde immer nur das Geld ausgegeben, was auch vorhanden war. Das war löblich! Nur in den letzten Jahren, da wurde Risiko gespielt. Da wurde weit über die Verhältnisse erlebt – um Hamburg und dem Klub endlich einmal einen Titel präsentieren zu können. Doch genau diese Unterfangen ging schief. Deswegen kam Carl-Edgar Jarchow in dieses Amt, er musste damit leben, was ihm hinterlassen worden war. Und das war genau jene leere Kasse, von der er immer sprach.

Glaubt hier auch nur einer, dass das dem Herren Jarchow Spaß gebracht hat? Natürlich dürfte es toll sein, einmal HSV-Boss zu sein – aber unter solchen Umständen?

Und nun soll er vom Hof gejagt werden. Okay. Und wer soll es dann machen? Sollen die Jarchow-Vorgänger wieder zurück? Oder hat jemand einen Franz Beckenbauer an der Angel? Oder einen Millionär, der diesem HSV endlich wieder ein wenig Geld gibt? Halt, das ist ja schon wieder eine Sache, die erst an diesem Sonntag beantwortet werden wird. Ob es Leute geben darf, die Geld geben dürfen. Und wenn ja, wofür und wie viel? Ich habe in den letzten Jahren oft mit Alt-Internationalen gesprochen, die einst die Raute auf der Brust trugen. Keiner wollte Verantwortung übernehmen.

Aber ich habe nie mit Frank Rost über einen Job beim HSV gesprochen. Der zeigte hin und wieder ja Lust, „etwas“ im HSV zu bekleiden – was auch immer. Vielleicht hat er ja Lust auf HSV-Boss. Wer weiß? Eventuell kann ja einer derjenigen Fans, die nun den Abschuss von Jarchow wollen, mit Rost sprechen – und ihn überreden. Wenn er dann eines Tages den HSV-Boss geben würde – ich würde es begrüßen. Wenn.

Obwohl: Auch ein Stefan Kuntz war in Kaiserslautern (ebenfalls ein Verein mit leerer Kasse) kein Garant dafür, dass der Klub die Klasse hält. Und wenn ich so nach Bremen blicke – da wird es nächste Saison auch sehr schwer. Das bringt vielleicht auch die Zeit mit sich . . .

Ich denke in diesen Tagen immer wieder an den HSV-Fan „Reinhard 1954“, der im Blog u. a. folgende Zeilen schrieb:

Wirtschaftlich gab es beim HSV seit Klein und Netzer keinen besseren als Hoffmann, seine sportlichen Entscheidungen, verursacht durch den alten AR, der es nicht schaffte, rechtzeitig einen Nachfolger für Beiersdorfer zu finden, waren hingegen eine Katastrophe. (u. a. die Verpflichtung von Labbadia, Veh, das Nichtdurchsetzen von Klopp ggü. Beiersdorfer, Nistelrooy im Dez. 2010 nicht verkauft, Berg für 10 Mio. geholt, Guerrero ein Gehalt von 4,6 Mio. zugebilligt.).

Reicht das nicht?

Das spricht doch für sich!

Ich habe übrigens seit Jahren (fast) nur Mist für das Hamburger Abendblatt geschrieben, aber das wurde nun ignoriert. Wie schön! Ich habe eine satte Gehaltserhöhung bekommen – im siebenstelligen Bereich. Das freut mich natürlich, denn ich sehe meine Minusleistungen endlich einmal voll anerkannt. Und das bisschen Mist, was ich in all den Jahren beim Hamburger Abendblatt verzapft habe? Na und? Das war doch alles noch im Rahmen, das war doch eigentlich völlig normal – welcher Mensch macht nicht auch mal einen Fehler?

(PS: das war ein Scherz)

Nein, nein, meine Damen und Herren, wir sollten alle mal wieder – und zwar ganz fix – auf den Boden der Realität zurückkehren.

Die Ehrenamtler sterben in dieser Zeit immer mehr aus, und auch Leute, die Verantwortung übernehmen (wie Carl-Edgar Jarchow) werden immer mehr zu Raritäten. Deswegen haben solche Leute meinen Respekt. Weil man es, das zeigt nun diese Vertragsverlängerung eindeutig, niemandem recht machen kann. Im Gegenteil, man wird ständig kritisiert (denn die, das gut finden, was einer macht, die sagen und schreiben nichts!). angepöbelt und vernichtet. “Schnarchow” ist höchst unfein, aber wahrscheinlich noch geschmeichelt. In was für einer Welt leben wir eigentlich? Das alles auf Dauer auszuhalten, das erfordert eine dicke Haut und viel, viel menschliches Geschick.

Mir, das gebe ich zu, ist dieses Geschick während der fast drei Jahre „Matz ab“ schon mehrfach abhanden gekommen.

Und: Jarchow ist zwar FDP-Politiker, aber er ist deswegen noch lange kein Zauberer. Und sicher könnte auch er das eine oder andere Ding (beim HSV) anders gemacht haben – aber er hat es ja überhaupt gemacht. Andere sind weggelaufen.

Aber wenn hier jemand einen guten Vorschlag hat – dann immer raus damit.

Allerdings: Immer nur „weg mit ihm“ schreien, das ist zu leicht und entschieden zu wenig.

Und noch kurz in eigener Sache:

„Bruno Taut“ hat es ja schon klargestellt, aber ich möchte es trotz allem noch einmal sagen: Schreibt Scholle den „Matz-ab-Blog“, dann unterschreibt er auch mit Scholle. Deswegen ist der klar im Vorteil, wer lesen kann.

Scholle ist Scholle, er ist ein erwachsener Mann, er wäre fast einmal Rechtsanwalt geworden, er lebt eigenständig und denkt auch eigenständig, er braucht mich nicht als Vordenker. Und wenn Scholle sagt, dass er kein Wiederholungsspiel bei Düsseldorf – Hertha will, dann ist das seine ureigene persönliche Meinung. Das ist auch gut so. Die will und kann ich gar nicht beeinflussen. Ich lebe und denke auch, wer hätte das gedacht, eigenständig, Scholle denkt und kaut mir nichts vor – wenn ich dann anderer Meinung bin, dann schreibe ich das. Und Scholle lässt das sogar zu.

Und ihr, ihr könnt euch dann denjenigen (Scholle oder Matz) heraussuchen, den ihr favorisiert – weil er genau so oder ähnlich denkt wie ihr. So soll das hier funktionieren. Sollte das funktionieren. Aber genau hinsehen zeichnet sich dabei schon gelegentlich aus, bevor man gleich lospöbelt.

Dann gab es noch ein Schreiben an das Abendblatt, Herr Thomas Achim Becker schrieb:

Sehr geehrte(r) Herr Dieter Matz,

sehr geehrte(r) Herr Peter Wenig,

ich hoffe, dass Sie diese Pressemitteilung interessiert:

Fußball-Bundesliga tritt die Vormachtstellung in Europa an

Düsseldorf, 18.05.2012 – Die Rekordeinnahmen durch den neuen Vertrag mit dem Fernsehsender Sky belegen die Stärke der Bundesliga. Nun werden die Aussagen aus der Fußball-Nachhaltigkeitsstudie von A.T. Kearney vor zwei Jahren Realität: Deutsche Klubs profitieren von den Finanzproblemen der Vereine in England, Spanien, Italien und Frankreich – und stehen vor einer neuen Ära europäischer Dominanz.

An Merchandising und Ticketverkäufen verdienen deutsche Fußballklubs schon lange gut. Nun haben sie mit dem neuen Sky-Vertrag auch die letzte Schwachstelle im europäischen Vergleich geschlossen: die Medienrechte. Die Einnahmen aus der Vermarktung der Inlandsrechte steigen um mehr als die Hälfte auf rund 628 Millionen Euro pro Saison. „Der Vertrag hat die finanzielle Dominanz der Bundesliga bestätigt“, sagt Emmanuel Hembert, Prinzipal bei A.T. Kearney und Experte für das Geschäftsfeld Fußball. „Die Dominanz auf dem Spielfeld ist jetzt nur noch eine Frage der Zeit.“

Wer sich im europäischen Fußball umschaut, muss lange nach einem nachhaltigen Geschäftskonzept suchen. Die spanische Primera División schlägt sich mit Schulden von mehr als einer Milliarde Euro gegenüber Steuerbehörden und Sozialversicherungen herum – und die ausstehenden Gehälter sind noch nicht berücksichtigt. Wenig besser geht es den italienischen Vereinen: Ihre Verluste erreichen Rekordniveau – allein vergangene Saison waren es 285 Millionen Euro. Trübe Aussichten auch auf der Insel: Bei acht englischen Spitzenklubs finden derzeit Steuerprüfungen statt. Die französischen Erstligisten wiederum plagt der schwache Transfermarkt: Sie können nicht die erhofften Gewinne aus dem Verkauf von Spielern in andere Ligen realisieren.

Während andernorts traditionsreiche Klubs in die Insolvenz rutschen, steigern deutsche Vereine ihre Wirtschaftskraft – und bauen teilweise sogar Schulden ab. Was ist das Erfolgsrezept? „Die Bundesliga ist neben der französischen die einzige Liga, die ihre Kosten über zwei zentrale Mechanismen steuern kann“, sagt Hembert. „Erstens hält die finanzielle Kontrolle durch das Lizenzierungsverfahren der Deutschen Fußball Liga die Vereine davon ab, über ihre Verhältnisse zu leben. Zweitens zahlt sich nun die systematische Jugendarbeit in Fußballakademien aus. Durch sie kommen die Klubs günstiger an Leistungsträger als auf dem Transfermarkt.“

Auch bei den Einnahmen sind die Bedingungen gut. Vor der Weltmeisterschaft in Deutschland 2006 flossen rund 1,4 Milliarden Euro in den Stadionbau. Die Vereine verfügen dadurch heute über moderne Arenen mit großer Zuschauerkapazität, die lukrative Hospitality-Möglichkeiten bieten und durch ihren Komfort Besucher anlocken. Keine andere Liga hat in den vergangenen Jahren einen derartigen Boom bei den Zuschauerzahlen erlebt. Zum Vergleich: Bei der WM 1998 in Frankreich entfielen drei Viertel der Investitionen auf das Pariser „Stade de France“. Die französische Liga profitiert davon aber nicht, weil kein Klub dort seine Spiele austrägt.

Über A.T. Kearney:

A.T. Kearney zählt zu den weltweit führenden Unternehmensberatungen für das Top-Management und berät sowohl global tätige Konzerne als auch führende mittelständische Unternehmen und öffentliche Institutionen. Mit strategischer Weitsicht und operativer Umsetzungsstärke unterstützt das Beratungsunternehmen seine Klienten bei der Transformation ihres Geschäftes und ihrer Organisation. Im Mittelpunkt stehen dabei die Themen Wachstum und Innovation, Technologie und Nachhaltigkeit sowie die Optimierung der Unternehmensperformance durch das Management von Komplexität in globalen Produktions- und Lieferketten. A.T. Kearney wurde 1926 in Chicago gegründet. 1964 eröffnete in Düsseldorf das erste Büro außerhalb der USA. Heute beschäftigt A.T. Kearney rund 3.000Mitarbeiter in 39 Ländern der Welt. Seit 2010 berät das Unternehmen Klienten klimaneutral.

Weitere Informationen finden Sie unter www.atkearney.de und auf Facebook: www.facebook.com/atkearney.de.

Diese Meldung könnte deswegen einmal interessant werden, weil im Ausland tatsächlich noch mehr Vereine finanziell schwächeln. Und wenn dann die Bundesliga dafür steht, dass sie immer noch gut und vor allen Dingen pünktlich bezahlt, dann könnte auch eines Tages der HSV davon profitieren – dann sogar ob mit oder ohne internationalen Startplatz.

“Schenefelder” hat diesen Post von René Adler auf Facebook gefunden:

Ach ja…
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Wenn wir einmal am posten sind. Dann gibt es ja noch Neuigkeiten. Zurück aus Mallorca, musste ich direkt wieder los zum Flughafen. Donnerstag ging es nach Hamburg. Und ich freu mich jetzt zu 100% verkünden zu können, ab nächster Saison die Raute auf der Brust zu tragen. Die Tinte ist trocken. :)
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Jetzt müssen wir nur noch eine Wohnung finden. Wir haben uns mal ein paar Viertel angesehen und müssen ja sagen, dass Winterhude einen ganz schön guten Eindruck hinterlassen hat. Aber ihr habt hier und jetzt die Chance mich von euerm Kiez zu überzeugen :) Wo ist es denn cool zu wohnen in HH? Falls sich unter den 18.784 Fans (danke dafür) auch Kontakte zu Immobilienmaklern herstellen lassen…die Pinnwand ist ganz die eure. Das nenn ich mal Wohnungssuche 2.0 :)
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Also Leute, freu mich auf eure Antworten. Werde die allerdings aus dem Auto heraus verfolgen, da ich jetzt nach München fahre. Finale gucken.
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René

Das war es heute, leider etwas zu lang – sorry.

Jetzt geht es zu Lotto King Karl in den Stadtpark.

17.48 Uhr

Adler und die Hoffnung auf bessere Zeiten

17. Mai 2012

Unser aller „Jaro“ hat heute Geburtstag. 33 Jahre jung ist er geworden. Aber einen neuen Verein konnte er zu seinem Geburtstag noch nicht präsentieren. Das dauert wohl noch 14 Tage – oder so. Wobei ich mir eigentlich sicher bin, dass es mit David Jarolim ein Wiedersehen in der Bundesliga geben wird. Auf jeden Fall, bevor ich es vergessen: „Herzlichen Glückwunsch, Jaro, und alles Gute für die Zukunft!“

Und euch – „allen Matz-abbern“ – alles Gute zum Vatertag.

An genau jenem 7. Mai teilte der HSV die Verpflichtung von Torwart Rene Adler mit:

Jetzt ist es amtlich. Der Hamburger SV hat René Adler verpflichtet. Der zehnmalige deutsche Nationaltorhüter unterschrieb am Donnerstag (17.05.12) einen Vertrag bei den Rothosen bis zum 30.06.2017. Den Medizincheck hatte Adler bereits Anfang März erfolgreich absolviert. „Ich hoffe, dass ich als Teil der Mannschaft dazu beitragen kann, dass wir hier in Hamburg erfolgreich Fußball spielen“, sagte der 27-Jährige.

Sportchef Frank Arnesen freute sich, den Wechsel nun perfekt gemacht zu haben: „Wenn man einen deutschen Nationaltorwart mit 27 Jahren ablösefrei holen kann, dann ist das eine spezielle Chance. Diese haben wir genutzt. Ich hoffe, dass er über gute Leistungen beim HSV in die Nationalelf zurückkommen kann. Er ist sehr optimistisch und ehrgeizig, wieder an seine alte Form anknüpfen zu können“.

Im vergangenen Jahr kämpfte sich Adler nach einer Patellasehnenoperation durch die Reha und feierte im April sein Comeback in der Regionalligamannschaft von Bayer Leverkusen. „Ich denke, dass ich absolut gestärkt aus dem vergangenen Jahr hervorgehen werde. Es war eine harte Zeit. In der Reha musste ich auch durch viele Täler gehen. Aber am Ende hat sich alles ausgezahlt. Ich fühle mich jetzt topfit und bin bereit“, so der Torhüter.

Ich habe in den letzten Wochen viel über den Adler-Transfer nachgedacht. Heute muss ich sagen, dass ich große Hoffnungen in den ehemaligen Nationaltorwart setze. Er war, bevor er sich verletzte, meine Nummer eins in Deutschland, und ich glaube, er war es auch beim Bundestrainer (trotz Manuel Neuer – der, zugegeben, jetzt ein ganz Großer ist). Wenn Adler beim HSV so hält, wie er einst gehalten hat, dann wird sich die Mannschaft auch besser fangen, besser spielen und besser abschneiden. Davon bin ich überzeugt. Sollte Adler aber ähnliche Startprobleme haben, wie vor einem Jahr Jaroslav Drobny (als er ein Jahr hinter Frank Rost nur auf der Bank gesessen hatte), dann denke ich an nichts Gutes. Und nichts Gutes bedeutet in diesem Falle, dass ich an die Saison 2011/12 denke.

Aber: Es tut sich jetzt, wo die Sommerpause schon angebrochen ist, immerhin doch einiges beim HSV, denn am Vortag hatten bereits Klub-Chef Carl-Edgar Jarchow (57) und Vorstandmitglied Joachim Hilke (43) ihre Verträge um zwei Jahre verlängert (laufen jetzt bis zum 15. Mai 2015). Es gibt hier bei „Matz ab“ ja pro und kontra, und falls ich gefragt werden sollte, so antworte ich ganz klar: Ich freue mich über diese Verlängerungen, denn erstens braucht der HSV irgendwann einmal so etwas wie Kontinuität, und zweitens haben beide Herren, Jarchow wie Hilke, in meinen Augen gute Arbeit geleistet. Jarchow hat in erster Linie wieder Ruhe in den HSV gebracht (im Zusammenspiel mit Aufsichtsrats-Chef Ernst-Otto Rieckhoff), und es sollte jedem klar sein (ich hoffe es auf jeden Fall), dass er nach diesem mäßigen Start, den er von heute auf morgen und ohne eine Kröte in der Kasse antreten musste, nicht noch die Tore hat selbst schießen können. Und Joachim Hilke hat längst sehr gute und hervorragende Arbeit auf dem Sektor Marketing geleistet, er wird von Insidern jedenfalls nur und ständig hoch gelobt. Und ich schließe mich da vorbehaltlos an.

Nicht vergessen: Tore schießen können beide Herren nicht, sollen sie aber ja auch nicht – Gegentreffer verhindern ebenfalls nicht. Das soll denn doch sie sportliche Seite des Klubs richten. Und wenn ich hier so einige Zuschriften lese, warum Jarchow und auch Hilke bislang in ihrem Schaffen für den HSV versagt haben sollen, dann muss ich ganz ehrlich gestehen: Jeder, der das geschrieben hat, sollte sich seine eigenen Zeilen besser noch einmal durchlesen – die Antworten, welche Chancen diese neue HSV-Führung bei Amtsantritt hatte, die sind zumeist schon in diesen Beiträge gegeben worden. Wenn ich nur mal an den Namen Marcus Berg erinnern darf. Das – und vieles mehr – darf einfach nicht ausgeklammert, verdrängt oder vergessen werden.

Eines aber muss ich auch noch sagen (dürfen): Dass die Verträge mit Jarchow und Hilke jetzt, einige Tage vor der Fortsetzung der Miedergliederversammlung, verlängert wurden, das finde ich – gelinde gesagt – dann doch etwas (mehr als) merkwürdig. Dazu bestand eigentlich keine große Eile, aber die Herren müssen es ja wissen . . .

Noch einmal möchte ich auch auf die letzte Partie der Saison, das 6:1 in Lüneburg (am vergangenen Dienstag), zurückkommen. Von der 57. Minute an spielte ja eine kleine Rasselbande für den HSV. Und mit „klein“ meine ich auch „klein“. Der große Franz Beckenbauer warnt seine Bayern ja vor dem Finale der Champions League (am Sonnabend, 20.45 Uhr) gegen den FC Chelsea besonders vor den Standards der Engländer: „Denn da spielen sehr große und sehr kräftige Spieler mit – und die haben wir nicht.“ Auf die Größe kommt es an. Das wusste auch Thorsten Fink schon in der abgelaufenen Saison, denn er baute auch deswegen zunächst und lange auf Robert Tesche, weil der Coach uns stets sagte: „Ich muss auch daran denken, dass wir uns bei Standards des Gegners in den Kopfballduellen zur Wehr setzen können. Und Robert Tesche kann das.“

Ich schreibe das deswegen, weil der HSV ganz sicher eine Reihe von guten und hoffnungsvollen Talenten hat, aber die meisten Spieler davon sind klein im Wuchs. Viele Kleine aber in einer Mannschaft bedeutet automatisch, dass man immer mal wieder Probleme bei den gegnerischen Standards hat. Natürlich weiß ich, dass nicht alle dieser kleinen Spieler auch bei den (HSV-)Profis auflaufen werden, aber ich denke insgesamt, dass die Scouting-Abteilung auch darauf achten sollte (und das soll nicht besserwisserisch klingen!). Aber noch einmal: Lange Zeit war ich enttäuscht, was da alles so beim HSV unter dem Namen „Talent“ herumlief. Die Jungs (Dennis Bergmann, Janek Sternberg, Angelo Langer, Christian Norgaard, Matti Steinmann und Manuel Pulido) aber, die in Lüneburg mit waren, die haben für mich ihr Talent auch unter Beweis gestellt. Der eine mehr, der andere etwas weniger. Stark fand ich den „Uwe-Seeler-Verschnitt“ Pulido, gut waren Steinmann und Norgaard (er ist sogar ein etwas größerer junger Mann) – mit Ehrgeiz bei der Sache waren sie alle.

Dann habe ich mir mal Gedanken um den vom HSV gesuchten „Kreativen“ gemacht. Der „Zehner“. Den es ja eigentlich gar nicht mehr gibt. Aber es wird ja jetzt in der Tat ein Mann gesucht, der die Fäden in der Hand haben soll, der Ideen haben und der das Spiel lenken soll. Solche Leute sind heute kaum noch zu finden, und wenn einer gefunden wird, dann ist er teuer. Das wird auch der Herr Kühne noch merken . . .

Wer aber war der „Zehner“ früher beim HSV? “Mein” erster HSV-Spieler mit der Rückennummer 10 war Klaus Stürmer. Eigentlich kein „richtiger“ Zehner, denn Stürmer sah oft wie ein richtiger Stürmer aus – neben seinem „Zwilling“ Uwe Seeler. Klaus Stürmer ging eher auf Torejagd, als dass er den Regisseur geben wollte. Ein Halbstürmer eben. In der Bundesliga war dann Ernst Kreuz der erste „Zehner“ des HSV. Der „Lange aus Aschaffenburg“, der einst dem kleinen Knaben Felix Magath das Kicken beibrachte (als Straßenfußballer auf dem Bolzplatz – Tatsache!), konnte den tödlichen Pass spielen, er konnte dribbeln, er produzierte Ideen auch unter Bedrängnis. Der Mann war einfach nur gut – aber ein wenig zu weich für den harten Profi-Fußball. Bekam er „auf die Socken“, dann ging bei Kreuz gar nichts mehr. Das hatten schnell alle Gegner heraus.

Nach oder neben Kreuz spielten auch Peter Wulf und der von Altona 93 geholte Heiko Kurth auf halblinks. Ohne größere Erfolge zu haben. Danach versuchte es der HSV mit Manfred Pohlschmidt, Werner Krämer, Franz-Josef „Bubi“ Hönig und den von Werder Bremen geholten Hans Schulz. Es lief aber nie so wie von den Verantwortlichen erhofft. Lange Zeit fehlte dem HSV ein echter „Zehner“. Der kam erst wieder mit Hans „Buffy“ Ettmayer, der 1975 kam. Ein richtig guter Spielmacher, der aber seine beste Zeit schon (beim VfB Stuttgart) hinter sich hatte. Allerdings zeigte er den Hamburgern auch in der Bundesliga, wie Mann einen Ball mit dem Po stoppen kann. Ein riesiges Erlebnis. Mit größtem Gelächter. Ein Jahr später verpflichtete HSV-General Peter Krohn seine „Fernsehliebe“ (weil er ihn immer in der Sportschau beim 1. FC Saarbrücken spielen sah) Felix Magath. Der brachte es auf Anhieb auf 30 Spiele, „Buffy“ schaffte nur noch zwei – und ging im folgenden Sommer.

1986 hörte Magath als Vizeweltmeister auf, er wurde HSV-Manager. Es kam ein anderer „Zehner“, nämlich Miroslav Okonski. Von Lech Posen – wie jetzt der Lette Artjoms Rudnevs. Ein Jahr später holte der HSV dann noch einen zweiten „Zehner“, das war Uwe Bein – und sowohl „Oko“ als auch Bein spielten in einem Team. Heute wohl undenkbar. 1989 gingen beide, und es kam Armin Eck vom FC Bayern. Fortan ging es sogar dann, wenn Eck und Thomas Doll im Team standen. 1992 holte sich der HSV den Bulgaren Yordan Letschkow, der es gemeinsam mit Thomas von Heesen richten sollte – und es meiner Meinung nach auch lange Zeit recht gut tat. 1994 ging von Heesen, 1996 ging Letschkow – und es kam Rodolfo Cardoso (bis 97). Er wurde abgelöst von Jacek Dembinski, doch der Pole kam nie über eine Rolle des Mitläufers hinaus. Ein ähnlicher Typ wie Ernst Kreuz.

Deshalb versuchte sich der HSV 1998 mit Aleksander Kurtijan (von Zimbru Chisinau). Der hatte in einem Länderspiel gegen Deutschland die gesamte DFB-Abwehr schwindelig gespielt und lächerlich gemacht – aber in Hamburg bekam der kleine Mann aus Moldawien (schnell, dazu ein brillanter Techniker) nichts, aber auch gar nichts auf die Reihe. Er ging nach einer Saison zurück – nach nur acht Bundesliga-Spielen. Sein Nachfolger wurde Cardoso, zu dem sich 2000 Sergej Barbarez gesellte. Wobei Barbarez eher ein „Zehner-Typ“ wie Klaus Stürmer war. Sowohl Cardoso als auch Barbarez spielten dann auch in einer HSV-Mannschaft. 2003 kam Stefan Beinlich, der ebenfalls mit Barbarez zusammen in einem Team spielte, bis sie 2006 gemeinsam gingen. Weil 2005 Rafael van der Vaart gekommen war – der „Zehner“ mit der 23 auf dem Rücken. Alle drei Spieler, also Barbarez, Beinlich und van der Vaart, standen mehrere Male gemeinsam für den HSV auf dem Platz.

All diese Namen und „Zehner“ zeigen mir, dass der HSV eigentlich immer bemüht war, einen Spielmacher in seinen Reihen zu haben. Mal klappte es, mal klappte es nicht. Meine Rangliste dabei – die ersten fünf Regisseure: Felix Magath, Rafael van der Vaart, Thomas von Heesen, Sergej Barbarez und Rodolfo Cardoso. Bleibt mir nur zu hoffen, dass der HSV eines Tages einmal wieder einen Spieler dieser Qualität präsentieren wird. Wenn es wohl auch noch nicht in diesem Jahr klappen kann – bis auf die Geschichte, dass van der Vaart zurückkehren wird (könnte).

Kurz noch einmal zum „Spiel“ Düsseldorf gegen Hertha – oder auch nur in die Nähe: Es gibt ja solche Highlights nicht nur in Deutschland, wie der Sport-Informations-Dienst (SID) zu berichten weiß:

Während des Final-Hinspiels um die Fußball-Regionalmeisterschaft von Sergipe (Brasilien) ist es zwischen den beiden Trainern zu einer handfesten Auseinandersetzung gekommen. Nachdem der Schiedsrichter Celso Teixeira (AO Itabaiana) und Gilberto Pereira (AD Confianca) wegen wiederholten Verlassens der Coachingzone des Feldes verwiesen hatte, prügelten die beiden Streithähne auf dem Weg in die Kabine aufeinander ein. Erst Polizeibeamte und Ersatzspieler konnten die beiden Trainer voneinander trennen.

Auch nach dem Spiel, das Itabaiana 3:1 gewinnen konnte, ging der Streit weiter. Pereira behauptete, von Teixeira „mit mehreren unangenehmen Wörtern beleidigt“ worden zu sein. Daraufhin meinte Teixeira: „Das ist absurd, ich weiß nicht worüber er sich beklagt. Das ist nicht der Platz für einen Kampf, aber wenn er mit mir außerhalb des Platzes kämpfen will, können wir einen Tag und eine Zeit abmachen.“
Am Sonntag findet das Rückspiel statt.

Erstmal geht es nur um Fußball. Aber mal abwarten. Ich finde das ja okay, denn endlich spricht es mal ein Trainer aus: Ein Treffen, kurz (oder von mir aus auch lang) auf die Glocke – fertig. Dann geht es entweder ins Krankenhaus oder zum Bestatter.
Stimmt überhaupt: Warum muss nur in den Fußballstadien geprügelt und verhauen werden?
Und Boxen ist doch ein so schöner Sport, der rauf und runter im Fernsehen übertragen wird. Diese beiden brasilianischen Trainer würden sicher auch hier noch den einen oder anderen Sender finden. Obwohl sich ganz bestimmt auch zwei bis 68 deutsche Trainer auftreiben ließen . . .

Das wäre doch auch etwas für Fans. 100 Mann gegen 100 Mann, und dann los. Statt einer Cherleader-Flotte stünden dazu ganz „normale“ Fans mit Bengalos in den Händen Spalier. Und solche urgewaltigen Kämpfe müssten dann natürlich auch mit Heim- und Auswärts-„Spielen“ ausgetragen werden, selbstverständlich müsste auch eine Tabelle geführt werden – mit Auf- und Abstieg. Und nur „die Harten komm’ inn Garten“: Geklammert, genäht und gegipst werden dürfte nur in der Halbzeitpause. Denkbar und toll wäre dazu ein Finale der „letzten Überlebenden“ in der Stierkampfarena von Mallorca. Moderieren könnte das dann zum Beispiel Thomas Gottschalk, der hätte dort ein Heimspiel und sucht ja auch noch (immer oder schon wieder) eine neue Sonnabend-Show zur besten Sendezeit . . .

Und in den Stadien würde es dann vielleicht doch mal wieder vorrangig um Fußball gehen.

So, um etwaigen Missverständnissen vorzubeugen: Ich mag keine Gewalt, ich verurteile Gewalt, Schlägereien haben beim Fußball nichts, aber auch absolut nichts zu suchen. Dennoch sind wir hier im Moment wieder auf dem Weg, unseren (geliebten) Sport wieder einmal total nach unten zu ziehen. Siehe Karlsruhe, siehe Düsseldorf. Es tut mir nur noch weh . . . Und wenn ich die Hilflosigkeit aller (Verband, Vereine, Polizei) miterlebe, dann frage ich mich, wer hier noch irgendetwas im Griff hat? Es sind zu viele Ahnungslose am Werk, und auch zu viele Leute, die alles nur verharmlosen (wollen). Das, was sich zuletzt hier im Lande abgespielt hat, ist eine Schande!

Und wenn ich gefragt werde, wie der DFB am Freitag entscheiden soll, dann sage ich ganz klar, dass ich für ein Wiederholungsspiel wäre. Und zwar vor leeren Rängen. Damit beide Fan-Parteien (Fortuna und Hertha) merken, dass es so ganz einfach nicht mehr weitergehen kann. Und auch nicht darf. Wobei anzumerken ist, dass sich ja auch etliche Spieler gründlich daneben benommen haben – was erst jetzt so allmählich ans Tageslicht kommt.
Es ist einfach nur beschämend.

So, und wenn ich oben mit „unser aller Jaro“ begonnen habe, dann ende ich heute mal mit dem „kleinen Dribbelkünstler“. Für alle, die sich dabei nicht so sehr hochfahren, wenn sie etwas über Piotr Trochowski lesen:

(S)Ein Jahr FC Sevilla liest sich so:

Zwei Einsätze in der Europa League, 35 (von 38) Spiele in der Ersten Liga Spaniens, drei Pokalspiele – ein Tor! Insgesamt ein Tor. Was natürlich zu wenig ist. In acht Punktspielen wurde „Troche“ eingewechselt, in 16 wurde er ausgewechselt. Insgesamt spielte er 2634 Minuten (in allen Wettbewerben). Das ist ganz sicher keine schlechte Bilanz für das erste Jahr – in einer der besten Ligen der Welt (in der Fünf-Jahres-Wertung Platz zwei vor Deutschland!). Der FC Sevilla wurde Tabellenneunter (14 Niederlagen, 13 Siege, elf Remis – hatte sich sicherlich mehr versprochen.

PS: Morgen (Freitag) kein Training im Volkspark (nein, nur ein Scherz zum Vatertag). Lasst es gut ausklingen.

17.09 Uhr

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